Ärzte Zeitung, 22.11.2010

Kommentar

Ein erster Schritt - mehr nicht

Von Peter Overbeck

HDL-Cholesterin gilt als das "gute" Cholesterin. Diese Wertschätzung basiert vor allem auf epidemiologischen Daten, nach denen der HDL-Blutspiegel in inverser Beziehung zum kardiovaskulären Risiko steht. Belege dafür, dass eine therapeutische HDL-Erhöhung vor kardiovaskulären Ereignissen schützt, sind dagegen rar.

Die Ergebnisse einer Studie mit dem CETP-Hemmer Anacetrapib, der die HDL-Konzentration in beispiellosem Maß zu erhöhen vermag, lassen die Herzen der Experten jetzt höher schlagen. Die Tatsache, dass überhaupt noch eine größere Studie mit einem CETP-Hemmer in Angriff genommen wurde, spricht nach den desaströsen Erfahrungen mit der Substanz Torcetrapib für den Mut des Unternehmens, das Anacetrapib entwickelt.

Torcetrapib hatte vor Jahren ob seiner starken HDL-erhöhenden Wirkung hohe Erwartungen geweckt, die dann in einer klinischen Studie bitter enttäuscht wurden. Auch im Fall von Anacetrapib steht die entscheidende Endpunktstudie noch aus.

Erst sie wird zeigen, ob das unter Einfluss von Anacetrapib gebildete HDL-Cholesterin die funktionellen Eigenschaften besitzt, die vor Herzinfarkten schützen.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
HDL-Cholesterin mit neuem Medikament dramatisch erhöht

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