Ärzte Zeitung online, 25.11.2010

Wochenendbesäufnis - ein Risiko für das Herz

Großes Besäufnis am Wochenende oder täglicher moderater Konsum - die Art des Trinkverhaltens scheint beim Alkoholgenuss von Bedeutung für die Gesundheit von Herz und Gefäßen zu sein.

Wochenendbesäufnis - ein Risiko für das Herz

Wochenendbesäufnis im Pub? Täglicher Konsum in moderater Form wäre besser fürs Herz.

© Newscast / imago

TOULOUSE (ob). Männer mittleren Alters, die sich vor allem am Wochenende in relativ kurzer Zeit mit Alkohol exzessiv betrinken, haben ein höheres Risiko für Herzprobleme als Männer, die zwar insgesamt ebenso viel oder sogar mehr Alkohol konsumieren, dies aber täglich in moderater Form tun.

Zu diesem Ergebnis kommt eine französische Arbeitsgruppe um Dr. Jean-Bernard Ruidavet aus Toulouse bei ihrer Analyse von Daten der "Prospective Epidemiological Study of Myocardial Infarction" (PRIME).

Über zehn Jahre haben die Forscher die Auswirkungen unterschiedlicher Trinkkulturen bei 9779 Männern in drei französischen Städten (Lille, Toulouse und Straßburg) sowie im irischen Belfast untersucht (BMJ, online first).

Dies- und jenseits des Ärmelkanals war ein sehr unterschiedliches Trinkverhalten zu beobachten. Während in Irland 60 Prozent der Männer angaben, mindestens einmal pro Woche Alkohol zu trinken, waren es in Frankreich 90 Prozent. Von diesen Alkoholkonsumenten genehmigten sich in Belfast nur 12 Prozent, in Frankreich dagegen 75 Prozent täglich ein Gläschen.

Im Mittel war der Alkoholkonsum in Frankreich höher als in Irland (32,8 g versus 22,1 g pro Tag). Während sich in Frankreich die Alkoholmenge auf regelmäßig genossene moderate Quantitäten verteilte, pflegten die Belfaster Männer häufiger einen exzessiven Trinkstil.

Bei fast jedem Zehnten (9,4 Prozent) von ihnen fiel der Alkoholkonsum unter die Kategorie "Koma-Saufen" (binge drinking); in Frankreich suchten dagegen nur 0,5 Prozent den intensiven Alkoholrausch.

Exzessive Trinker hatten in der Studie ein deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Die jährliche Inzidenz von schwerwiegenden Koronarereignissen war mit 5,65 im Vergleich zu 2,78 pro 1000 Personenjahre in Belfast doppelt so hoch wie in Frankreich.

Möglicherweise hat auch die unterschiedliche Vorliebe für spezielle Alkoholgetränke zum Unterschied beigetragen: Während in Belfast bevorzugt Bier und Schnaps durch die Kehlen rannen, tendierten die französischen Männer eher zum Genuss von Wein.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Der Albtraum vom Nicht-Schlafen

Schlaflosigkeit lässt sich kaum nachweisen. Forscher zeigen: Schlaflose Nächte finden oft nur im Traum statt. Das macht sie nicht weniger belastend, ermöglicht aber neue Therapien. mehr »

Vergessen Sie keine Labor-Kennnummer!

Mit der Laborreform haben sich Änderungen bei den Ausnahmekennnummern ergeben. Um nicht den Wirtschaftlichkeitsbonus zu gefährden, sollten Sie die neuen Regeln kennen - und insbesondere auf drei Punkte achten. mehr »

Ärzte wehren sich gegen Mehrarbeit für lau

Etwas mehr Geld für Hausbesuche, aber kaum mehr für die Ausweitung der Mindestsprechstunden - das bieten die Kassen an. Die Ärzte gehen auf die Barrikaden. mehr »