Ärzte Zeitung online, 15.03.2011

USA: Herzkatheter-Eingriffe erstmals rückläufig

Worüber bereits spekuliert wurde, ist jetzt durch harte Daten bestätigt worden: In den USA ist die Zahl der diagnostischen und therapeutischen Koronarinterventionen seit einigen Jahren rückläufig.

USA: Herzkatheter-Eingriffe erstmals rückläufig

Weniger Katheter-Eingriffe in den USA.

© panthermedia

WASHINGTON (ob). In Europa liegt Deutschland bei den diagnostischen und therapeutischen Herzkatheter-Eingriffen an der Spitze. Der lange Zeit beobachtete stetige Leistungsanstieg hat sich allerdings hierzulande in jüngster Zeit deutlich abgeschwächt.

Der "Herzbericht 2009" weist für 2008 ingesamt 310 166 perkutane Koronarinterventionen (PCI) aus. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr (+ 1,8 Prozent) ist der zweitniedrigste seit 1980.

In den USA hat sich der Trend nach Jahren permanent steigender Leistungszahlen bereits umgekehrt. Dafür sprechen Ergebnisse einer von Dr. Robert Riley und Mitarbeitern veröffentlichten Versorgungsanalyse von Daten der US-Krankenversicherung Medicare, die Auskunft über die Entwicklung im Zeitraum zwischen 2001 bis 2009 geben (Circ Cardiovasc Qual Outcomes 2011, online).

Zwar ergab sich bei den perkutanen Koronarinterventionen über den Gesamtzeitraum im Schnitt eine jährliche Zuwachsrate von 1,3 Prozent pro 1000 Leistungsberechtigte.

Diese Entwicklung verlief aber nicht gleichförmig: Zwischen 2001 und 2004 stiegen die PCI-Leistungszahlen wie in den Jahren zuvor noch an; in den folgenden fünf Jahren war dann aber ein jährlicher Rückgang um im Mittel 2,5 Prozent zu verzeichnen. 2009 war eine gewissen Stabilisierung erkennbar.

Zugenommen hat dagegen in den letzten Jahren der Anteil der Herzkatheter-Eingriffe, bei denen eine intravsale Ultraschalluntersuchung (IVUS) oder Messungen der Fraktionellen Flussreserve (FFR) vorgenommen wurden.

Bei den koronaren Bypass-Operationen gleicht die Entwicklung der in Deutschland: Im Untersuchungszeitraum ging die Zahl der koronarchirurgischen Revaskularisationen stetig um im Mittel 5 Prozent pro Jahr zurück.

In der Vergangenheit ist der Rückgang der Bypass-Operationen gern auf die parallele Zunahme von interventionellen Revaskularisationen zurückgeführt worden. Angesichts der Tatsachen, dass in den USA seit 2004 die Zahlen für beide Methoden der Revaskularisation rückläufig sind, dürfte dies aber wohl nur eine partiellen Erklärung sein.

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