Kardiologie

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Ärzte Zeitung online, 28.09.2011

Oh Mann: kein Kind gezeugt? Höheres Herzrisiko als Quittung

Kinder wachsen einem ans Herz - und schützen es anscheinend. Denn Väter sterben seltener am Herzinfarkt als kinderlose Männer, so eine Studie. Der Schutz hängt aber davon ab, wie viele Nachfahren gezeugt wurden.

Oh Mann: Kein Kind gezeugt? Erhöhtes Herzrisiko als Quittung

Daumen hoch für den Papa: Wenn Väter Kinder gezeugt haben, haben sie ein geringeres Herzrisiko als kinderlose Männer, ergab eine Studie.

© Sergiy Nykonenko / photos.com

STANFORD (ob). Verheiratete Männer, die in ihrer Ehe kinderlos bleiben, sind anscheinend anfälliger für kardiovaskuläre Erkrankungen als Ehemänner, die zwei oder mehr Kinder gezeugt haben. Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher nach Auswertung der Daten von knapp 140.000 Männern.

Ausgangspunkt ihrer Studie bildete die Hypothese, dass die Zeugungsfähigkeit eines Mannes ein Spiegel seines allgemeinen wie auch kardiovaskulären Gesundheitszustandes ist.

Höhere Zeugungsfähigkeit würde demnach ein niedrigeres kardiovaskuläres Risiko implizieren.

Wie misst man männliche "reproduktive Fitness"?

Wie aber misst man das männliche Zeugungspotenzial? Die Forschergruppe um Dr. Michael E. Eisenberg von der Stanford Universität in Kalifornien wählte in ihrer Studie die Anzahl der in der Ehe gezeugten Kinder als - zugegebenermaßen sehr grobe - Maßeinheit für die "reproduktive Fitness" der Männer (Hum Reprod 2011, online).

Grundlage ihrer Analyse bildeten die Daten von 137.903 verheirateten Männern im Alter zwischen 50 und 71 Jahren, die alle Teilnehmer einer großen Beobachtungsstudie (NIH-AARP Diet and Health Study) in den USA waren.

Bei 92 Prozent von ihnen war aus der Ehe mindestens ein Kind hervorgegangen, im Durchschnitt brachten es die Väter auf 2,6 Kinder.

Um 17 Prozent höheres Risiko bei Kinderlosigkeit

Während der im Schnitt rund zehnjährigen Beobachtungszeit wurden 13.702 Todesfälle registriert, von denen 3082 (22 Prozent) durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedingt waren.

Nach statistischer Bereinigung (Adjustment) unterschiedlicher Verteilungen von diversen Risikomerkmalen stellten die Forscher fest, dass die kardiovaskuläre Sterberate in der Gruppe der kinderlosen Ehemänner relativ um 17 Prozent höher war als in der Gruppe der Väter mit mindestens einem Kind.

Risiko um 21 Prozent erhöht

Im Vergleich zur Gruppe der besonders zeugungsfreudigen Väter mit fünf und mehr Kindern war das Risiko der "zeugungsmüden" Ehemänner ohne Kinder um 21 Prozent erhöht.

Aber auch Väter mit nur einem Kind hatten gegenüber den besonders fleißigen Produzenten von Nachkommen ein um 11 Prozent höheres kardiovaskuläres Risiko.

Kinderlose Ehe kann auch Ausdruck der Lebensplanung sein

Die Autoren spekulieren, dass ein gestörter Androgen-Status ein biologisch plausibles Bindeglied zwischen Infertilität und kardiovaskulären Erkrankungen sein könnte.

Dabei scheinen sie wohl zu vergessen, dass eine kinderlose Ehe nicht zwangläufig Folge männlicher Infertilität sein muss, sondern auch Ausdruck einer nicht auf Großfamilie programmierten Lebensplanung sein kann.

Kinderlose Ehemänner tun jedenfalls gut daran, nicht gleich zum Arzt zu rennen, um sich Testosteron gegen Androgenmangel verordnen zu lassen in der Absicht, auf diese Weise vermeintlich ihr kardiovaskuläres Risiko zu senken.

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