Ärzte Zeitung online, 18.11.2011

Bakterieller Endokarditis: Besser frühe Op

Patienten mit einer bakteriellen Entzündung des Endokards profitieren von einer frühen Operation: Der Eingriff verhindert zerebrale Embolien.

Bei bakterieller Endokarditis besser früh operieren

S. pneumoniae: Bei Endokartitis lohnt die frühe Op.

© BSIP / Your_Photo_Today

ORLANDO (DE). Patienten mit bakterieller Endokarditis und großen Vegetationen sollten sofort nach Diagnosestellung operiert werden.

Im Vergleich zu einer antibiotischen Therapie verhindert diese Strategie Embolien, vor allem Schlaganfälle.

Wann der optimale Zeitpunkt für eine operative Entfernung des infektiösen Materials nebst Reparatur der Klappe ist, wurde jetzt erstmals in der offenen, randomisierten EASE-Studie (Randomized Trial of Early Surgery versus Conventional Treatment for Infective Endocarditis) untersucht.

Vergleich: Op und Leitlinie

Die Ergebnisse wurden jetzt beim Kongress der American Heart Association in Orlando vorgestellt.

In der Studie aus Korea wurden 76 Patienten mit bestätigter bakterieller Endokarditis, randomisiert entweder binnen 24 Stunden nach Diagnosestellung operiert oder aber gemäß Leitlinie zunächst antibiotisch behandelt.

Patienten mit absoluter Op-Indikation sowie Patienten mit niedrigem Embolie-Risiko wurden nicht randomisiert.

Vier bis sechs Wochen Antibiotika

Zu den Einschlusskriterien gehörten eine schwere Mitral- oder Aortenklappen-Erkrankung sowie Vegetationen von mindestens 10 mm Länge. Patienten nach Klappenersatz waren ausgeschlossen.

In beiden Gruppen wurde vier bis sechs Wochen lang antibiotisch behandelt. Bei den randomisierten Patienten waren in 60 Prozent die Mitralklappe, in 30 Prozent die Aortenklappe und in 10 Prozent beide Klappen betroffen.

72 Patienten litten an einer schweren Klappeninsuffizienz, vier an schweren Klappenstenosen. Dominierender Erreger war Streptococcus.

Keine Embolien in der Op-Gruppe

Wie sich zeigte, mussten 77 Prozent der zunächst der antibiotischen Therapiegruppe zugeordneten Patienten im Schnitt 15 Tage nach der Randomisierung doch elektiv oder dringend operiert werden.

Das frühe operative Vorgehen bot prognostische Vorteile: Innerhalb von sechs Wochen (primärer Endpunkt) war in jeder Gruppe ein Patient verstorben.

In der Op-Gruppe wurden darüber hinaus keine Embolien beobachtet, in der Antibiotika-Gruppe hingegen acht Embolien, davon fünf zerebral, eine koronar, eine in die Milz und eine ins Bein.

Der Unterschied bezüglich des primären Endpunkts war statistisch signifikant. Nach sechs Monaten waren in der Antibiotika-Gruppe zwei Patienten gestorben und neun weitere hatten Embolien. In der Op-Gruppe blieb es bei einem Todesfall und keinen Embolien.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »