Ärzte Zeitung, 16.08.2013
 

Schwangerschaft

Preis für Arbeit zu Herzleiden durch Gestation

FRANKFURT AM MAIN. Für ihre Forschungsarbeit zur Peripartum-Kardiomyopathie (PPCM) hat Dr. Arash Haghikia, Klinik für Kardiologie und Angiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), von der Deutschen Herzstiftung den Wilhelm P. Winterstein-Preis in Höhe von 10.000 Euro erhalten.

Im Zuge dieser Arbeit wurde 2004 ein in Europa einzigartiges Register zur PPCM eingerichtet, um systematisch Daten von bislang mehr als 115 Patientinnen zu sammeln, teilt die Deutsche Herzstiftung mit.

"Dieses Register zeichnet diese Arbeit aus. Denn nur mit Hilfe einer Vielzahl individueller Patientenfälle lässt sich das Krankheitsbild besser charakterisieren und auch verstehen, wodurch die Erkrankung entsteht, wer besonders gefährdet ist und was man während der Schwangerschaft oder danach für einen günstigen Ausgang tun kann", wird Professor Dr. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, in der Mitteilung zitiert.

Die Verbreitung der PPCM ist regional sehr unterschiedlich und betrifft nach Schätzungen z. B. in den USA eine von 3.000 Schwangerschaften und in Deutschland womöglich eine von 2.500 bis 4.000. Zu den häufigsten Beschwerden zählen Abgeschlagenheit, Atemnot, Reizhusten, Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen.

"Aber nicht immer ordnen Ärzte die PPCM-Beschwerden sofort dem Herzen zu", so Haghikia. "Uns ist es wichtig, dass die Beschwerden richtig gedeutet und nicht als normale schwangerschaftstypische Beschwerden fehlinterpretiert werden. Insbesondere Internisten und Frauenärzte müssen daher unbedingt über die PPCM informiert sein."

Forschungsergebnisse aus Hannover deuten darauf hin, dass eine fehlerhafte Spaltung des Stillhormons Prolaktin in den Herzen der PPCM-Patientinnen die Erkrankung auslöst. Das Spaltprodukt wirkt sich demnach giftig auf die Herzgefäße aus und schädigt die Herzmuskelzellen.

Möglicherweise ist die PPCM auch erblich bedingt. Dies gilt besonders bei Patientinnen, in deren Familie die Kardiomyopathie bereits vorgekommen ist. Ebenso werden Entzündungen, auch autoimmunologische, als mögliche Ursache diskutiert, so Haghikia. (eb)

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