Ärzte Zeitung online, 04.03.2014

Kardiologie

Bio-inspirierter Klebstoff für Kinderherzen

Forscher entwickeln einen chirurgischen Klebstoff, der die Korrektur angeborener Herzfehler bei Kindern wesentlich erleichtern könnte. Insekten, die visköse und hydrophobe Sekrete produzieren, haben Ideen dafür geliefert.

FREIBURG. Ein internationales Forscherteam um die Freiburger Ärztin Dr. Nora Lang hat einen neuen chirurgischen Klebstoff entwickelt, der die Korrektur angeborener Herzfehler bei Kindern wesentlich erleichtern könnte.

Der Klebstoff kann innerhalb von Sekunden durch UV-Licht aktiviert werden und ist sehr gut gewebeverträglich, wie das Uniklinikum Freiburg mitteilt.

Mit seiner Hilfe könnten innerhalb von Sekunden im schlagenden Herz biologisch abbaubare Flicken (Patches) angebracht werden, die sowohl hohem Blutdruck als auch schnellen Herzrhythmen standhalten.

Klebstoff ist wasserabweisend

Inzisionen an arteriellen Gefäßen hätten im Tiermodell bereits alleine durch den chirurgischen Klebstoff ohne Zusatz von Nähten verschlossen werden können, heißt es in der Mitteilung. Die Ergebnisse der ersten präklinischen Studie wurden in der Zeitschrift "Science Translational Medicine" (2014; 6:(218): 218ra6) veröffentlicht.

"Bisher waren oft zeitaufwendige Nähte nötig, um Löcher im Herzen zu schließen. Die vorhandenen Klebstoffe waren entweder toxisch, hatten nicht genügend Klebekraft oder verloren unter feuchten, hochdynamischen Bedingungen ihre Klebekraft", wird Lang zitiert. Lang ist Erstautorin der Studie.

Für die Entwicklung des bio-inspirierter Klebstoffs (hydrophobic light-activated adhesive, HLAA) hatten sich die Forscher Inspiration von der Natur geholt - etwa von Insekten, die visköse und hydrophobe Sekrete produzieren, die an feuchten Oberflächen haften.

So ist auch der HLAA wasserabweisend und wird bei Kontakt mit Blut nicht ausgewaschen.

Französisches Unternehmen hat die Lizenz

"Die kleberbeschichteten Patches konnten im Tiermodell bereits Defekte in der linken Herzkammer ohne zusätzliche Nähte verschließen und hielten dem hohen Druck stand, mit dem Blut durch Herz und Blutgefäße gepumpt wird", sagt Dr. Maria Nunes Pereira vom Brigham and Women's Hospitals, ebenfalls Erstautorin der Studie.

"Mit dem Kleber verbundene Gewebe oder Flicken halten ebenso gut wie herkömmliche Nähte, können aber wesentlich schneller und sogar an schwer zugänglichen Stellen angebracht werden", erklärt Lang.

Momentan befindet sich der Klebstoff noch in der Testphase. Ein französisches Start-Up-Unternehmen hat die Lizenz erworben und möchte den Klebstoff in den nächsten zwei bis drei Jahren auf den Markt bringen, teilt die Uniklinik Freiburg mit. (eb)

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