Ärzte Zeitung online, 16.12.2014

Analyse

Statine und die Folgen für Penis und Prostata

Hat die Einnahme von Statinen einen Effekt auf Manneskraft und Prostata? Dieser Frage gingen US-Wissenschaftler nach - und werteten Daten von über 20.000 Männern aus.

Von Thomas Müller

Statine und die Folgen für Penis und Prostata

Wenn Männer Statine schlucken müssen, hat dies zumindest keine nachteiligen Effekte auf ihre Manneskraft oder ihre Prostata. Allerdings scheinen die Mittel die Sexualfunktion auch nicht zu verbessern.

© Frank / fotolia.com

FORT SAM HOUSTON. Eine Statin-Therapie ist für viele Männer so unausweichlich wie eine Vergrößerung der Prostata, aus diesem Grund wäre es schon interessant zu wissen, ob die Lipidsenker der Vorsteherdrüse und den anderen Organen des männlichen Sexualapparates etwas anhaben können oder eher positiv auf sie einwirken.

Da es kontrollierte randomisierte Langzeitstudien zu diesem Thema nicht gibt und wohl auch nie geben wird, sind Ärzte um Dr. Richard Davis vom Brook Army Medical Center in Fort Sam Houston einen anderen Weg gegangen.

Sie randomisierten nachträglich Daten einer großen Kohortenstudie der US-Armee und versuchten, jedem Statin-Patienten einen gleichalten und mit ähnlichen medizinischen Problemen und Risikofaktoren behafteten Teilnehmer ohne Statine gegenüberzustellen (Propensity Score Matching).

Dann schauten sie, ob Statin-Patienten in den Folgejahren mehr oder weniger Probleme mit ihren reproduktiven Fähigkeiten bekommen hatten (J Sex Med 2014, online 25. November).

79 Begleitfaktoren berücksichtigt

Als Datenbasis dienten ihnen medizinische Aufzeichnungen von über 20.000 Militärangehörigen in der Region San Antonio aus den Jahren 2003 bis 2012. Die Randomisierung erfolgte anhand der Daten bis 2005. Anschließend begann die "Beobachtungszeit" der quasi-randomisierten Studie.

Insgesamt fanden die Ärzte 3300 Statin-Patienten, deren Schicksal sie mit dem ebenso vieler Statin-freier Teilnehmer verglichen.

Für die Adjustierung der beiden Gruppen hatten die Forscher 79 Faktoren verwendet, darunter waren neben dem Alter 17 Begleiterkrankungen, der Konsum diverser Drogen sowie eine Reihe von wichtigen und häufigen Medikamenten (Blutdrucksenker, Antidepressiva, NSAR und Kortikoide).

Als Statin-Patient galt, wer im Jahr 2005 für mindestens drei Monate Statine verordnet bekommen und die Rezepte auch eingelöst hatte.

Keine Auffälligkeiten bei den Diagnosen

Wie sich herausstellte, gab es in der Statingruppe keine statistisch signifikanten Unterschiede bei der Häufigkeit einer benignen Prostatahyperplasie (BPH), einer erektilen Dysfunktion, einer Unfruchtbarkeit, einer testikulären Dysfunktion oder einer psychosexuellen Störung - zumindest ließen sich solche Unterschiede anhand der erfassten Diagnosen nicht erkennen.

Berücksichtigten die Studienautoren jedoch nur Patienten ohne wichtige Begleiterkrankungen, so ließ sich ein signifikant erhöhtes Risiko für eine BPH unter Statinen berechnen, aber kein erhöhtes Risiko für andere Probleme mit der Reproduktion.

Da nur wenige Patienten der Statingruppe keine wesentlichen Komorbiditäten hatten, muss hier jedoch von einer deutlichen Verzerrung der Ergebnisse ausgegangen werden.

Keinerlei Einfluss zeigte zudem die Dauer der Statin-Therapie auf die Rate von Männerproblemen: Auch bei Männern mit zwei oder vier Jahren Behandlung traten diese weder häufiger noch seltener auf als bei solchen ohne Statine.

Das Ergebnis mag überraschen. Nicht wenige Forscher haben vermutet, dass Statine aufgrund ihrer Gefäß-schützenden Wirkung die erektile Funktion verbessern und mit ihren antientzündlichen Eigenschaften einer BPH entgegenwirken.

Aber glaubt man den Wissenschaftlern um Davis und ihren statistischen Tricks, dann sind den Statinen Penis und Prostata wohl ziemlich schnuppe.

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