Ärzte Zeitung, 14.01.2015

Kardiologen

Versöhnliche Töne im TAVI-Terz

Die deutschen Kardiologen rudern im Streit mit den Herzchirurgen um die TAVI-Methode beim Einsetzen einer neuen Aortenklappe zurück: Es sei nicht beabsichtigt gewesen, die Leitlinie für Patienten mit Aortenstenose aufzuweichen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Versöhnliche Töne im TAVI-Terz

TAVI-Methode: Die neue Aortenklappe wird mit einem Herzkatheter in Position gebracht.

© Edwards Lifesciences

BERLIN. Bisher gibt es einen Konsens zwischen Kardiologen und Herzchirurgen: Die transvaskuläre Aortenklappen-Implantation (TAVI) sollte in erster Linie Patienten mit Aortenstenose und hohem Operationsrisiko vorbehalten bleiben.

Dies werde in Deutschland auch eingehalten, betonte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Professor Christian Hamm vom Uniklinikum Gießen, bei einer DGK-Pressekonferenz in Berlin.

Hamm präsentierte aktuelle Daten des AQUA-Instituts von 2013. Danach hatte etwa ein Fünftel der TAVI-Patienten in Deutschland ein niedriges Risiko (EUROSCORE von 10 oder darunter).

Umgekehrt fallen über 80 Prozent aller Patienten mit operativem Aortenklappenersatz (AKE) in die Niedrigrisikogruppe.

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßmedizin (DGTHG) hatte kürzlich ein DGK-Positionspapier vom Oktober zur Sicherung der Versorgungsqualität bei TAVI-Eingriffen scharf kritisiert und vor einer nicht durch Daten zu rechtfertigenden Ausweitung der Indikation für die TAVI auf Patienten mit mittlerem Risiko gewarnt.

Dies sei mit dem Positionspapier aber nicht beabsichtigt gewesen, betonte Professor Karl-Heinz Kuck vom Asklepios-Klinikum St. Georg.

Vielmehr werde in dem Papier deutlich gemacht, dass gemäß aktueller Datenlage Patienten unter 75 Jahren mit einem EUROSCORE kleiner 10 primär operiert werden sollten, während Patienten ab 75 Jahren mit einem EUROSCORE ab 20 primär eine TAVI erhalten sollten.

Zwei Studien bringen noch in diesem Jahr Ergebnisse

Bei Patienten, die nicht in die beiden Kategorien fallen, sollten Herzchirurgen und Kardiologen im Team gemeinsam entscheiden. Kuck betonte allerdings, dass sich diese Einschätzung bald ändern könnte.

Die beiden TAVI-Studien PARTNER IIA und SURTAVI untersuchen explizit Patienten mit mittlerem Risiko. Ergebnisse werden 2015 erwartet. Wenn die TAVI dem AKE dabei nicht unterlegen sei, müsse darüber diskutiert werden, das Positionspapier zu ändern, so Kuck.

Tatsächlich gibt es mittlerweile erste Hinweise aus Studien, die darauf hindeuteten, dass die TAVI auch bei mittlerem Operationsrisiko dem AKE zumindest gleichwertig sein könnte.

So war die TAVI in der randomisierten CoreValve-Studie dem AKE hinsichtlich der 1-Jahres-Sterblichkeit überlegen - bei Patienten, die entgegen der ursprünglichen Intention einen mittleren EUROSCORE von 17 bis 18 hatten, also an der Grenze zwischen hohem und mittlerem Risiko lagen.

Was die Langzeitdaten angehe, sei mittlerweile über einen Zeitraum von fünf Jahren klar gezeigt, dass die Funktion der Katheterklappen nicht abnehme, so Kuck.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Ein steiniger Weg nach Deutschland

Ob geflohen vor Krieg oder eingewandert aus anderen Teilen der Welt: Wer als ausländischer Arzt in einer deutschen Klinik oder Praxis arbeiten will, muss Ausdauer haben – und gutes Deutsch können. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »