Ärzte Zeitung, 17.02.2015

ERC-Grant

Erforschung künstlicher Blutgefäße ausgezeichnet

MAINZ. Der Mainzer Molekularbiologe Professor Werner E. G. Müller wird zum dritten Mal mit einem ERC-Grant (Europäischer Forschungsrat) ausgezeichnet.

Dabei handelt es sich um die höchstrangige Forschungsförderung der EU, sie beläuft sich auf rund 150.000 Euro, heißt es in einer Mitteilung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Der Wissenschaftler erhält den Preis für die Erforschung künstlicher Blutgefäße. Müller möchte damit die Herstellung künstlicher Blutgefäße vorantreiben. Dabei baut er auf neu entdeckte Eigenschaften biologischer Makromoleküle.

Die innovativen Gefäßimplantate könnten in Zukunft beispielsweise bei Bypass-Operationen zum Einsatz kommen. Dieses Forschungsvorhaben setzt Müller zusammen mit Privatdozent Dr. Bernhard Dorweiler von der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie (HTG) der Universitätsmedizin Mainz um.

Schwämme als Vorbilder für Skelettbildung

Schwämme, die ältesten Tiere des Planeten Erde, sind mithilfe eines Enzyms in der Lage, ein anorganisches Biosilicat-Skelett herzustellen. Müller fand bereits vor Jahren heraus, dass dieses Biosilicat biologisch aktiv ist und die Knochenbildung fördert.

Diese Entdeckung veranlasste ihn dazu, nach weiteren biologisch aktiven anorganischen Makromolekülen zu suchen.

Er stieß auf anorganische Polyphosphate, das heißt energiereiche Polymere, die nicht nur für die Knochenbildung interessant sind: Vielmehr zeigte sich, dass sich mit diesen anorganischen Polyphosphaten im Verbund mit anderen Polymeren leicht kleinkalibrige Gefäßstrukturen mit günstigen Materialeigenschaften erzeugen lassen.

Diese kleinkalibrigen Gefäßstrukturen eignen sich potentiell zur Herstellung künstlicher Blutgefäße. Um hier optimale Ergebnisse zu erzielen, ist Müller eine enge Kooperation mit Dorweiler eingegangen.

"Auf Basis unserer Forschungserkenntnisse gilt es jetzt, innovative Gefäßimplantate zu entwickeln, insbesondere Gefäßimplantate mit geringen Durchmessern. Diese innovativen Gefäßimplantate könnten in Zukunft beispielsweise bei Bypass-Operationen am Gefäßsystem zum Einsatz kommen", wird Müller in der Mitteilung zitiert.

Aktuell werden Gefäßersatzmaterialien hauptsächlich aus Kunststoff hergestellt, die dabei verwendeten Materialien haben sich jedoch ausschließlich bei der Herstellung von Gefäßimplantaten mit größeren Durchmessern bewährt. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

In Deutschland gibt es"weder Hölle noch Paradies"

Die Lebensumstände in Deutschland sind weitgehend gleichwertig - gemessen an 53 Indikatoren, die etwa Gesundheit, Arbeit und Freizeit berücksichtigen, so der "Deutschland-Report". mehr »

Wenn Welten aufeinandertreffen

Die urologische Versorgung in Ghana findet nur sehr eingeschränkt statt. Der Verein "Die Ärzte für Afrika" unterstützt sechs Kliniken vor Ort – eine Herzensangelegenheit. mehr »

Schlaganfall im Schlaf – Wann ist Thrombolyse möglich?

Liegt der Symptombeginn bei Schlagfall einige Stunden zurück, kommt eine Thrombolyse eigentlich nicht infrage. Forschern ist es nun gelungen, Patienten für die Therapie auszuwählen, auch ohne den Zeitpunkt des Insults zu kennen. mehr »