Ärzte Zeitung, 30.03.2016

Auch Jahre danach

Synkope erhöht Risiko für späteren Unfall

Sollte eine Synkope Anlass sein, den Betroffenen beim Fahren einzuschränken? In einer Studie war bei solchen Patienten das Risiko, an einem Verkehrsunfall beteiligt zu sein, erhöht.

Von Robert Bublak

Synkope erhöht Risiko für späteren Unfall

Verkehrsunfall: Auch Jahre nach einer Synkope haben die Patienten wohl ein erhöhtes Unfallrisiko.

© benjaminnolte / fotolia.com

KOPENHAGEN. Patienten, die eine Synkope erleiden, sind im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung in den folgenden zwei Jahren fast doppelt so oft in einen Verkehrsunfall mit Kraftfahrzeugen verwickelt.

Forscher um Anna-Karin Numé von der Kardiologischen Klinik der Uni Kopenhagen haben für eine Kohortenstudie die Daten von mehr als vier Millionen erwachsenen Dänen analysiert (JAMA Intern Med 2016, online 29. Februar).

Rund 41.000 der Personen hatten im Zeitraum zwischen 2008 und 2012 eine erste Synkope erlitten. Die Diagnose war jeweils in einer Notfallambulanz oder bei einem Klinikaufenthalt gestellt worden. Gut ein Drittel der Patienten war kardiovaskulär erkrankt.

In den folgenden zwei Jahren waren 4,4 Prozent der Patienten nach einer Synkope an einem Verkehrsunfall mit Personen-, Lastwagen oder Motorrädern beteiligt und mussten deswegen ärztlich versorgt werden.

Die Inzidenzrate lag mit 20,6 pro 1000 Personenjahre (PJ) fast doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung mit 12,1/1000 PJ. Nach Abgleich gegen Alter, Geschlecht, sozioökonomische Position, Begleitkrankheiten und Pharmakotherapie war die Quote bei Synkopepatienten 83 Prozent höher als in der Normalbevölkerung (Incidence Rate Ratio [IRR] 1,83).

Die Rate von Patienten mit kardiovaskulärer Erkrankung fiel dabei niedriger aus als jene von Patienten ohne eine solche Komorbidität (IRR 1,56 versus 1,97). Nicht erhöht waren die Inzidenzen von Personen nach Synkope, die einen implantierten Kardioverter-Defibrillator trugen. Für das Unfallrisiko spielte es zudem keine Rolle, ob es sich um eine einmalige oder um rezidivierende Synkopen handelte.

Das Unfallrisiko blieb auch in der Folgezeit erhöht. Auf fünf Jahre berechnet lag die Unfallquote nach Synkope bei 8,2 Prozent im Vergleich zu 5,1 Prozent im Gesamtdurchschnitt der Population. Allgemeine Unfalltrends ließen sich auch an den Unfallzahlen nach Synkope ablesen.

So waren jüngere Menschen und besonders junge Männer stärker gefährdet als ältere. Die Inzidenz für Verkehrsunfälle von Männern im Alter zwischen 18 und 35 Jahren nach Synkope betrug 42,8/1000 PJ, bei Frauen im gleichen Alter 33,8/1000 PJ. Die IRR-Werte im Vergleich der Altersgruppen nahmen bei den Männern mit zunehmendem Lebensalter zu und bei den Frauen ab.

Numé und Kollegen betonen, das absolute Risiko für Verkehrsunfälle von Patienten nach einer Synkope sei dennoch relativ gering. "Ob eine Synkope Anlass sein sollte, die Betroffenen beim Führen von Fahrzeugen einzuschränken, ist eine schwierige Frage", schreiben sie. Das Auftreten einer Synkope sei kein absolutes Kriterium. Vielmehr sollte es als einer von mehreren Faktoren in die Einschätzung der Fahrtüchtigkeit einfließen.

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