Ärzte Zeitung, 02.06.2016

Langjährigen Ausdauersport

Keine Hinweise für Herzschäden

SAARBRÜCKEN. Belgische Wissenschaftler haben 2012 eine Studie veröffentlicht, die in die These mündet, dass wiederholte intensive Ausdauerbelastungen auf LeistungssportNiveau zu einer krankhaften Vergrößerung der rechten Herzkammer führen können (Eur Heart J 2012; 33: 998-1006) . Damit entstünden Gefahren bis hin zum plötzlichen Herztod, heißt es in einer Mitteilung der Universität des Saarlandes.

Sportmediziner haben sie nun an sogenannten Masterathleten, älteren Leistungssportlern, gezielt überprüft. Ihr Ergebnis widerlegt die Annahmen der belgischen Wissenschaftler. Die Forscher konnten keinen Hinweis darauf finden, dass über Jahre leistungssportlich betriebener Ausdauersport die rechte Herzkammer dauerhaft schädigt (Circulation 2016; 133: 1927-1935).

Sie untersuchten 33 Elite-Masterathleten (im Schnitt 47 Jahre alt) und verglichen sie mit einer Kontrollgruppe, die ihnen in Alter, Größe und Gewicht ähnelte, aber keinerlei Ausdauersport betrieben hat.

Die Athleten, unter denen ehemalige Olympia-Teilnehmer ebenso wie ehemalige professionelle Ironman-Sieger und Teilnehmer zu finden waren, sind seit rund 30 Jahren leistungssportlich aktiv und trainieren nach wie vor rund 17 Stunden pro Woche.

Die Wissenschaftler konnten zwar feststellen, dass die Herzen der langjährigen Spitzensportler erwartungsgemäß deutlich größer und kräftiger waren als die der Kontrollgruppe.

"Aber wir fanden keine Hinweise für eine dauerhafte Schädigung, krankhafte Vergrößerung oder Funktionseinschränkung der rechten oder linken Herzkammer durch langjährig betriebenen intensiven Ausdauersport", wird Studienautor Dr. Philipp Bohm zitiert.

Der Rückgriff auf hochtrainierte und leistungssportlich aktive Masterathleten ist ein Kniff, den die Saarbrücker Forscher angewendet haben: Da ja die beste Methode, das Herz und insbesondere die rechte Herzkammer zu untersuchen, die kardiale Magnetresonanztomographie (MRT) ist, diese jedoch noch nicht lange genug zur Verfügung steht und auch kein Routineverfahren zur Untersuchung von Sportlern darstellt, wird es auf absehbare Zeit keine systematischen kernspintomographischen Verlaufsstudien zum Sportherzen geben können, heißt es in der Mitteilung weiter.

Eine Längsschnitt-Studie, bei der die Probanden vielleicht sogar über mehrere Jahrzehnte begleitet werden, wäre demnach mittels MRT noch gar nicht möglich. "Diese sogenannten Mastersportler repräsentieren derzeit also am besten den Langzeitverlauf langjährig betriebenen Ausdauerwettkampfsports", erklärt Jürgen Scharhag, einer der Autoren. (eb)

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