Ärzte Zeitung, 12.10.2016
 

Übergewicht

Bewegung als "Medikament"

Übergewicht erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes und mit Diabetes steigt das Herz-Kreislauf-Risiko. Mit körperlicher Aktivität lässt sich jedoch die Fitness steigern. Wird Sport als "Medikament" eingesetzt, sinkt die Mortalität.

BERLIN. Das Mortalitätsrisiko hängt eher von der Fitness als von der "Fatness" ab, sagte Dr. Susanne Berrisch-Rahmel, CardioCentrum Düsseldorf, bei den DGK-Herztagen in Berlin. Auch übergewichtige Menschen können, wenn sie fit sind und regelmäßig trainieren das kardiovaskuläre Risiko reduzieren.

Allerdings fehlt es oft an der Motivation zur sportlichen Betätigung und dann wird das zusätzliche Gewicht selbst zum Risikofaktor, etwa für ein metabolisches Syndrom.

Weil die vorbeugende Wirkung von regelmäßiger Bewegung für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-System wissenschaftlich gut belegt ist und Bewegungsmangel weltweit zu den wichtigsten vermeidbaren Todesursachen, gehört, gibt es in den Leitlinien der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) entsprechende Empfehlungen zur kardiovaskulären Prävention: 150 Minuten moderates aerobes Training (wie mäßiges Gehen, langsames Radfahren, Staubsaugen oder Rasenmähen) in der Woche, oder 5 mal 30 Minuten.

Alternativ darf es auch 75 Minuten oder 5 mal 15 Minuten intensives anaerobes Training (wie Joggen, Schwimmen, Tennis-Einzelspiel oder schnelles Radfahren) sein. Von der DGK werden vier- bis fünfmal wöchentlich 30 bis 45 Minuten Bewegung, davon aber mindestens 10 Minuten mit mäßiger Intensität (etwa dynamische Ausdauersportarten unterhalb der maximalen Herzfrequenz, ergänzt durch Kraftsport) empfohlen.

Diese Aktivitätsziele sind für untrainierte und übergewichtige Menschen kaum erreichbar. Aber auch schon eine geringe Steigerung der Bewegung kann das Erkrankungsrisiko senken und die Lebensqualität erhöhen, so Berrisch-Rahmel.

Manchen Patienten helfen dabei Apps oder Schrittzähler, die z. B. das Bewegungsziel von täglich 10.000 Schritten dokumentieren. Optimal wäre eine individuelle Trainingsberatung auf Rezept, doch das kommt leider viel zu selten zum Einsatz, weil die "sprechende Medizin" nicht genügend honoriert wird, meinte Berrisch-Rahmel.

Wichtig ist, dass Übergewichtige, auch wenn sie langsam beginnen, langfristig und regelmäßig Sport treiben sowie die richtige Sportart wählen, die Spaß machen und ggf. gelenkschonend sein soll. Vor dem Trainingsbeginn wird außerdem eine fachärztliche Untersuchung empfohlen.

Wenn man Sport als "Medikament" betrachtet, wird klar, dass mit einer kleineren Dosis gestartet werden kann, die langsam auf die optimale Zieldosis hochtitriert wird, so Berrisch-Rahmel. Und da in Deutschland laut WHO-Daten mittlerweile 54,8 Prozent der Erwachsenen übergewichtig sind, könnte eine Mobilisierung per Sportrezept große präventive Effekte haben. (ufo)

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