Ärzte Zeitung, 12.01.2017

Weekend Warriors

Auch wer nur am Wochenende schwitzt, bleibt fit

Auch wer ausschließlich am Wochenende Sport treibt, beugt Erkrankungen effektiv vor. Das empfohlene Pensum auf mehrere Wochentage zu verteilen, ist offenbar unnötig, so eine Studie.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Auch das hält gesund!

Ski-Langlauf ist gesund: Auch Weekend Warriors, die nur am Wochenende Sport treiben, profitieren.

© fotofrankyat / iStock / Thinkstock

LOUGHBOROUGH. Sport schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das ist klar. Aber muss es drei- bis viermal die Woche sein? Vielleicht nicht, sagen britische Sportmediziner.

Das Sterberisiko sinkt demnach auch bei Menschen, die nur am Wochenende Sport treiben. Man muss aber dafür ordentlich ranklotzen. Das Problem ist bekannt: Die meisten Präventionsleitlinien geben vor, Menschen sollten drei- bis viermal die Woche 30 bis 40 Minuten moderat sportlich aktiv sein.

Unter der Woche sind viele Menschen aber stark eingebunden. Nicht nur der innere Schweinehund ist zu überwinden, sondern häufig machen auch ein später Feierabend an der Arbeit oder Pflichten in der Familie die guten Vorsätze zunichte.

Sportphänomen Weekend Warriors

Am Wochenende ist das anders, und deswegen versucht mancher, durch viel Ehrgeiz in zwei Tagen das nachzuholen, was die fünf Tage vorher sportlich versäumt wurde. Im Englischen hat das Phänomen einen Namen: Weekend Warrior (der Begriff bezieht sich dabei nicht auf Online-Rollenspiele!).

Ein Weekend Warrior reißt die mindestens 75 Minuten starke aerobe Belastung oder mindestens 150 Minuten moderate körperliche Tätigkeit, die die European Guidelines on Cardiovascular Disease Prevention empfehlen, in ein oder zwei Sport-Sessions am Samstag oder Sonntag herunter, statt sie in Häppchen aufzuteilen. Das spart Zeit.

Nur: Bringt das auch was? Oder werden damit zwar Gewissensbisse, nicht aber die Folgen atherosklerotischer Gefäßveränderungen minimiert? Der Sportwissenschaftler Dr. Gary O‘Donovan von der Universität Loughborough in England hat das untersucht.

Basis waren Interviews mit gut 63.000 Erwachsenen, die zwischen 1994 und 2012 im Rahmen eines nationalen Gesundheits-Surveys in England und Schottland geführt wurden (JAMA Intern Med. 2017 online 9. Januar).

Signifikant geringere Sterberate

Wie üblich bei derartigen Erhebungen wurden Lebensstilfaktoren regelmäßig abgefragt und dann mit Ereignissen korreliert. Dabei zeigte sich, dass Menschen, die das zur kardiovaskulären Prävention empfohlene Mindestpensum komplett am Wochenende absolvieren, eine um signifikante 30 Prozent geringere Gesamtmortalität aufwiesen als komplett inaktive Menschen.

Der Nutzen des Sports lag damit in derselben Größenordnung wie bei jenen, die ihr Sportpensum auf drei bis fünf Termine pro Woche verteilten.

Bei anderen Endpunkten ließen sich diese Daten reproduzieren. Die kardiovaskuläre Mortalität war bei Sportlern rund 40 Prozent geringer, unabhängig davon, wie oft trainiert wurde. Und die Krebsmortalität wurde um knapp 20 Prozent gesenkt.

Einschränkend muss gesagt werden, dass es sich um eine prospektive Kohortenstudie handelte. Eine Randomisierung in Gruppen mit unterschiedlicher Sportfrequenz und Sportintensität gab es nicht. Auch beruhte die Einordnung der Probanden in die unterschiedlichen Gruppen allein auf ungeprüften Angaben in Telefoninterviews.

Empfehlungen zum Sportpensum

Moderate körperliche Tätigkeiten über mindestens 150 Minuten pro Woche empfehlen die European Guidelines on Cardiovascular Disease Prevention, alternativ ist eine

starke aerobe Belastung mindestens 75 Minuten pro Woche möglich, dazu zählen etwa Tennis oder Dauerlauf.

Krafttraining für die Hauptmuskelgruppen an mindestens zwei Tagen pro Woche wird zusätzlich empfohlen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Offenbar liegt‘s am Bauchspeck

Wer genetisch bedingt schon als Kind zu Übergewicht neigt, hat auch ein erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes. mehr »

Jahrhundert-Chance oder Anmaßung?

Darf der Mensch alles, was er kann? Wieder einmal stellt sich diese Frage, seit in den USA erfolgreich Embryonen-DNA verändert wurde. Zwei Redakteure der "Ärzte Zeitung" diskutieren das Für und Wider. mehr »

Ärzte in Barcelona haben schnell reagiert

Ärzte – vor allem Chirurgen – und Pflegefachkräfte in Barcelona und Tarragona standen nach den Terroranschlägen sofort parat. Zwölf Menschen kämpfen jedoch noch immer um ihr Leben. mehr »