Ärzte Zeitung, 26.01.2017
 

Krankenhaus

Herzstillstand gefährdet auch Bettnachbarn

Verschlechtert sich der Gesundheitszustand eines Patienten auf Station massiv, kann das auch Mitpatienten gefährden.

Herzstillstand gefährdet auch Bettnachbarn

Geht es einem Patienten kritisch schlecht, schlägt das auch auf die Verfassung der anderen Patienten der Station.

© Darren Mower / iStock .com

CHICAGO. Erleiden Patienten in der Klinik einen Herzstillstand, müssen sie auf die Intensivstation verlegt werden oder sterben sie sogar, so hat das auch negative Folgen für die Verfassung der anderen Patienten auf der Station.

Zu diesem Schluss kommen Forscher um den Pädiater Samuel Volchenboum vom Universitätsklinikum von Chicago im US-Staat Illinois (JAMA 2016; 316: 2674). Die Wissenschaftler haben untersucht, ob sich in den sechs Stunden nach einem kritischen Ereignis auf einer Station das Risiko für Mitpatienten erhöht, einen Herzstillstand zu bekommen oder wegen Komplikationen auf eine Intensivstation verlegt zu werden.

War es zuvor auf Station zu einem solchen Ereignis gekommen, erhöhte sich das Risiko für einen Herzstillstand oder die Verlegung auf die Intensivstation bei den Mitpatienten um etwa 18 Prozent (Odds Ratio [OR] 1,18), bei mehr als zwei Ereignissen waren es etwa 53 Prozent (OR 1,53). Auch verringerte sich die Wahrscheinlichkeit für Patienten, entlassen zu werden, wenn sich der Zustand anderer Patienten zuvor kritisch verändert hatte (ein Ereignis: OR 0,94, mehr als ein Ereignis: OR 0,95).

Weniger Aufmerksamkeit für andere Patienten

Zwar falle das erhöhte Risiko für einen Herzstillstand oder eine Verlegung auf die Intensivstation in absoluten Zahlen klein aus; die kritischen Ereignisse seien jedoch mit hoher Morbidität und Mortalität assoziiert, so die Forscher. Als Grund für die beobachteten Effekte vermuten sie, dass das Stationsteam anderen Patienten weniger Aufmerksamkeit zuwenden kann, sobald kritisch Kranke besonders im Fokus stehen.

Für die monozentrische, retrospektive Studie hatte das Team um Volchenboum Daten von 13 Stationen mit je etwa 20 Betten des Universitätsklinikums in Chicago ausgewertet. Herangezogen wurden die Daten von insgesamt 83.723 erwachsenen Patienten, die in den Jahren 2009 bis 2013 aufgenommen worden waren. (mmb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »