Ärzte Zeitung online, 14.02.2017
 

Koronare Herzkrankheiten

Hohe Cholesterin-Werte? An Omega-3-Fettsäuren denken!

Mit einer Ernährung reich an Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) lässt sich das Risiko für eine Koronare Herzkrankheit (KHK) reduzieren. Das bestätigt eine aktuelle Metaanalyse von US-Epidemiologen.

Von Peter Leiner

Hohe Cholesterin-Werte? An Omega-3-Fettsäuren denken!

Lebensmittel mit hohem Anteil an Omega-3-Fettsäuren: Nüsse, Avocado, fetter Seefisch und Pflanzenöl.

© Yulia Furman / fotolia.com

ANN ARBOR. Vor allem Patienten mit erhöhten Triglyzerid- oder LDL-Werten profitieren von Omega-3-Fettsäuren, wie aus einer Metaanalyse hervorgeht. Nehmen Betroffene mit der Nahrung oder einem Nahrungs-Ergänzungsmittel Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) auf, ist nach der Analyse das KHK-Risiko reduziert.

Für ihre systematische Untersuchung haben Ernährungswissenschaftler und Epidemiologen um Dr. Dominik D. Alexander vom EpidStat-Institut in Ann Arbor im US-Staat Michigan die Daten von 18 randomisierten kontrollierten sowie 16 prospektiven Kohortenstudien mit etwa 93.000 und 732.000 Teilnehmern ausgewertet (Mayo Clin Proc. 2017; 92 (1): 15–29).

Die Studien waren zwischen 1947 und 2015 publiziert worden. Die Wissenschaftler prüften den Zusammenhang zwischen der EPA- und DHA-Einnahme und der Entstehung von KHK-Ereignissen, inklusive Myokardinfarkt, plötzlicher Herztod, koronarer Herztod und Angina pectoris. Ermittelt wurden die geschätzten relativen Risiken als SRRE-Werte (Summary Relative Risk Estimates).

Wirksam in Subgruppen

Die Metaanalyse von Daten der randomisiert kontrollierten Studien ergab einen SRRE-Wert von 0,94 für jegliches KHK-Ereignis. Die Reduktion des relativen Risikos um 6 Prozent im Zusammenhang mit der EPA- und DHA-Aufnahme war nicht signifikant.

Dagegen war in einer Subgruppenanalyse das KHK-Risiko bei Studienteilnehmern mit erhöhten Triglyzeridwerten (>150 mg/dl) signifikant um 16 Prozent reduziert (SRRE: 0,84), nicht jedoch bei Werten im Referenzbereich. Dies gilt auch für Teilnehmer mit erhöhten LDL-Werten (SRRE: 0,86), und zwar über 130 mg/dl.

Dosisabhängige Effekte

Der Effekt bei erhöhten Triglyzeridwerten war dosisabhängig und stärker bei Aufnahme von mehr als einem Gramm EPA plus DHA pro Tag (SRRE: 0,75:) im Vergleich zu niedrigeren Dosierungen (SRRE: 0,93).

Ein Nutzen der EPA- und DHA-Aufnahme lässt sich auch an der Auswertung der Daten der prospektiven Kohortenstudien ablesen. Der SRRE-Wert für jegliche KHK-Ereignisse lag demnach bei 0,82, für tödliche KHK-Ereignisse bei 0,77, für koronaren Herztod bei 0,82 und für plötzlichen Herztod bei 0,53.

Alle errechneten Risikoreduktionen im Zusammenhang mit der Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren waren signifikant. Nicht signifikant waren sie dagegen für die Parameter nicht tödliche KHK-Ereignisse, koronare Ereignisse und nicht tödlicher Myokardinfarkt.

Daten stützen die Empfehlungen

Die American Heart Association empfiehlt die Aufnahme von wenigstens 1 g EPA plus DHA pro Tag. Die Ergebnisse der Metaanalyse stützten die Empfehlungen zur Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren mit der Nahrung oder über Ergänzungsmittel, so die US-Wissenschaftler. Auch andere Fachgesellschaften plädieren für den Verzehr Omega-3-Fettsäure-reicher Nahrungsmittel.

Täglich 250 mg EPA und DHA

Wie es in der aktuellen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) "Fettzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten" von 2015 heißt, sind "nach einer gepoolten Analyse der Ergebnisse von 20 Studien 250 mg EPA und DHA pro Tag in der primären Prävention der KHK-Todesfälle wirksam".

Die ungesättigten Fettsäuren sind in Fischen wie Lachs, Makrele und Hering sowie in bestimmten Pflanzenölen (Alpha-Linolensäure in Raps-, Walnuss- und Sojaöl) enthalten. 100 g Hering etwa liefern nach Angaben der DGE knapp 3000 mg EPA und DHA.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »

Vorsorge für den Brexit – Ansturm auf das Aufenthalts-Zertifikat

Viele Gesundheitsfachkräfte aus EU-Ländern haben Großbritannien schon verlassen. Diejenigen, die bleiben wollen, versuchen nun, das "Settled-Status"-Zertifikat zu erlangen. mehr »