Ärzte Zeitung online, 28.04.2017

HF-ACTION-Studie

Herzinsuffizienz plus VHF – Sport hilft nur wenig

Körpertraining verbessert zwar die Fitness von Patienten mit Herzinsuffizienz und gleichzeitigem Vorhofflimmern (VHF), nicht aber die mittelfristige Prognose. Diese wird nur bei Herzinsuffizienz ohne VHF besser.

Von Thomas Müller

Herzinsuffizienz plus VHF – Sport hilft nur wenig

Sollten ältere, multimorbide Patienten ins Fitnessstudio geschickt werden? Einer Studie zufolge profitieren davon nicht alle.

© Monkey Business/stock.adobe.com

DURHAM. Lohnt es sich, multimorbide ältere Patienten noch ins Fitnessstudio zu schicken? Sicher wird man immer Parameter finden, die sich durch Sport verbessern lassen, doch leben die Patienten dadurch auch länger oder müssen seltener in die Klinik?

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz trifft dies in der Tat zu. Sind solche Patienten allerdings zusätzlich noch an einem Vorhofflimmern erkrankt, lassen sich auf Sicht von drei bis vier Jahren keine Effekte auf die Sterbe- und Hospitalisierungsrate feststellen.

Darauf deutet eine Sekundärauswertung der Studie HF-ACTION mit knapp 2000 Herzinsuffizienzpatienten (J Am Coll Cardiol 2017; 69: 1683–1690).

Zwei Stunden Training pro Woche

Alle Patienten der Studie hatten ein Auswurfvolumen von weniger als 35 Prozent sowie ein NYHA-Stadium von II bis IV. 382 von ihnen (17 Prozent) waren zudem an VHF erkrankt.

Diese waren im Schnitt fünf Jahre älter und hatten eine weiter fortgeschrittene Herzinsuffizienz als Teilnehmer ohne VHF, auch waren sie zu Beginn deutlich weniger leistungsfähig. So betrug ihre relative maximale Sauerstoffaufnahme 13,4 ml/kg/min, der Wert bei den Patienten ohne VHF lag bei 15,0. Zum Vergleich: Junge Erwachsenen erreichen im Mittel 35–40 ml/kg/min. Auch die Sechs-Minuten-Gehstrecke war bei den VHF-Patienten mit 356 versus 378 Metern deutlich reduziert.

Die Patienten waren in zwei Gruppen aufgeteilt worden: Alle wurden leitliniengerecht medikamentös behandelt, die Hälfte unterzog sich zudem einem körperlichen Training. Dazu trainierten die Patienten unter Anleitung zunächst drei Monate lang dreimal die Woche auf dem Laufband oder Fahrradergometer, dann sollten sie ohne Anleitung zu Hause auf einem Trainingsgerät mindestens zwei Stunden pro Woche weitermachen.

In der Primäranalyse waren die trainierten Patienten nach einer Studiendauer von im Median 2,6 Jahren etwas seltener als untrainierte an kardiovaskulären Ursachen gestorben, auch wurde der kombinierte Endpunkt Tod oder Klinikeinweisung bei ihnen seltener beobachtet (42,6 versus 46,4 Ereignisse pro 100 Patientenjahre). Zudem führte das Training zu einer besseren Lebensqualität und einer günstigeren kardiorespiratorischen Fitness.

In ihrer aktuellen Sekundäranalyse haben Forscher um Dr. Nancy Luo von der Universität in Durham nun geschaut, ob sich Patienten mit und ohne VHF bei den Trainingseffekten unterscheiden. Zunächst stellten sie fest, dass die Prognose bei den Patienten mit VHF wie erwartet wesentlich schlechter war als bei solchen ohne VHF: Von ihnen starben ein Viertel mehr oder mussten ins Krankenhaus.

Wurden Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand und Komorbiditäten berücksichtigt, lag der Unterschied allerdings nur noch bei nicht signifikanten 15 Prozent. Ein Großteil der schlechteren Prognose lässt sich demnach auf den allgemein schlechteren Zustand und weniger auf das VHF zurückführen.

Vorteil nur für Patienten ohne VHF

Schauten sich die Forscher nun den Endpunkt "Überlebensrate ohne Klinikeinweisungen" an, zeigten sich bei den Patienten ohne VHF bereits nach einem Jahr deutliche Unterschiede: Bei den Trainierten war die Rate fünf bis zehn Prozent geringer als bei den Untrainierten; diese Differenz blieb bis zum maximal berechneten Zeitpunkt von dreieinhalb Jahren.

Dagegen verliefen die Kurven bei den VHF-Patienten weitgehend parallel. Hier hatte der Sport keinen positiven Einfluss auf die klinikfreie Überlebensrate, ganz im Gegenteil: Numerisch war die Rate bei den Untrainierten sogar etwas höher (66 versus 63 Ereignisse pro 100 Patientenjahre). Ähnliches konnten die Forscher bei der Gesamtsterblichkeit beobachten; und auch bei der kombinierten Ereignisrate "kardiovaskuläre Mortalität/Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz" schnitten die trainierten VHF-Patienten nicht besser ab als die untrainierten.

Der Vorteil des Trainings bei den klinischen Endpunkten in der Primäranalyse besteht also nur für Patienten ohne VHF, bei solchen mit VHF scheint das Training nichts zu nützen.

Im Gegensatz dazu profitierten die VHF-Patienten aber bei den kardiorespiratorischen Parametern in ähnlichem Maße wie die Herzinsuffizienzkranken mit Sinusrhythmus. So nahm die relative maximale Sauerstoffaufnahme in den ersten drei Monaten jeweils um 0,6–0,7 ml/kg/min in den Trainingsgruppen zu, ohne Training nur um 0,2. Die Sechs-Minuten-Distanz stieg bei den Trainierten mit VHF um knapp 22 Meter; 20 Meter waren es bei den Patienten ohne VHF. Ohne Training gab es in der VHF-Gruppe keine Veränderung.

Weshalb sich solche Veränderungen nur bei Patienten ohne, nicht aber bei denen mit VHF auf die klinischen Endpunkte auswirkten, ist unklar. Möglicherweise werden die relativ geringen Effekte des Trainings von der allgemein sehr hohen Mortalität und Hospitalisierungsrate bei VHF überdeckt. Es würde sich daher lohnen, in einigen Jahren noch einmal nachzuschauen. Die wohl plausibelste Erklärung: die insgesamt älteren und kränkeren VHF-Patienten hielten sich schlicht nicht mehr an den Trainingsplan, sobald sie zu Hause trainieren sollten. Wo kein Sport, da kein Nutzen durch Sport.

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