Ärzte Zeitung online, 06.07.2017
 

Forschung

Verändert Herzschwäche die Darmflora?

Herzschwäche ist mit dem Verlust wichtiger Darmbakterien assoziiert, hat eine Studie ergeben.

BERLIN. Im Darm von Patienten mit Herzschwäche kommen wichtige Bakteriengruppen seltener vor und die Darmflora ist nicht so vielfältig wie bei Gesunden. Das haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Standort Hamburg/Kiel/Lübeck herausgefunden (ESC Heart Failure 2017; online 21. April). Sie haben Darmbakterien aus Stuhlproben von Gesunden und Personen mit Herzschwäche analysiert, teilt das DZHK mit. Das Projekt unter Leitung von Professor Norbert Frey vom Uniklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, fand in enger Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Professor Andre Franke an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel statt, die Teile des bakteriellen Erbguts zur Unterscheidung der Mikroorganismen entschlüsselte. Noch ist unklar, ob die Darmflora als Folge der Herzschwäche verändert ist oder ob sie eventuell auch ein Auslöser für diese Erkrankung sein könnte.

Auch die Ernährung beeinflusst die Zusammensetzung der Darmbakterien. "Man weiß, dass sich die Darmflora eines Veganers, der anfängt Fleisch zu essen, innerhalb von drei Tagen verändert", wird Privatdozent Dr. Mark Lüdde vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, in der Mitteilung zitiert. Deshalb haben die Kieler Forscher die Ernährungsgewohnheiten vorher abgefragt. Personen mit einer extremen Diät, wie einer veganen Ernährung, haben sie nicht für ihre Untersuchung zugelassen. Die Kieler Forscher haben daher für ihre Studie Personen ausgewählt, die eine Standarddiät mit Fleisch und Gemüse zu sich genommen haben, heißt es in der DZHK-Mitteilung. Neben der Ernährung wirken sich auch Medikamente auf die Darmflora aus. Daher war es wichtig, dass auch die Kontrollgruppe Arzneimittel eingenommen hat, die Patienten mit einer Herzschwäche routinemäßig nehmen müssen. Antibiotika durften seit mindestens drei Monaten nicht mehr verabreicht worden sein. Ebenso waren in beiden Gruppen Raucher vertreten. Alle Teilnehmer kamen aus derselben Region und Alter, Geschlechterverteilung sowie BMI waren in beiden Gruppen gleich.

Das beobachtete Muster der reduzierten Bakteriengattungen und -familien scheint sehr charakteristisch für die Herzschwäche zu sein, weshalb diese Ergebnisse Ansatzpunkte für neue Therapien sein könnten, so das DZHK. So kamen die Abweichungen zwischen gesunden und Personen mit Herzschwäche hauptsächlich durch den Verlust von Bakterien der Gattungen Blautia und Collinsella zustande, sowie durch zwei bislang unbekannte Gattungen, die zu den Familien Erysipelotrichaceae und Ruminococcaceae gehören. Andere Arbeiten haben gezeigt, dass das Vorkommen von Blautia Entzündungen eindämmt. Ebenso ist die Gattung Faecalibacterium mit entzündungshemmenden Mechanismen assoziiert. Sie ist auch, aber nicht nur, bei Herzinsuffizienz-Patienten verringert. Da Herzschwäche von einer chronischen Entzündung begleitet wird, ist eine Theorie, dass die Darmflora selbst die systemische Entzündung fördert. Allgemein nehmen Wissenschaftler zurzeit zwar eher an, dass sich die Darmflora als Konsequenz aus der Herzschwäche verändert. Lüdde und seine Kollegen halten es aber für plausibel, dass ein verändertes bakterielles Profil auch ein Risikofaktor oder früher Krankheitsmarker für die Herzschwäche sein könnte. Dafür spricht, dass ein Stoffwechselprodukt von Darmbakterien, das Trimethylamin-N-oxid (TMAO) kürzlich als ein unabhängiger Risikofaktor für die Sterblichkeit bei Herzschwäche-Patienten beschrieben wurde. (eb)

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