Ärzte Zeitung, 14.08.2017
 

Ambulante Notfallversorgung

Defibrillation durch Laien macht einen Unterschied

Defibrillatoren an öffentlichen Orten können bei der Reanimation wertvolle Hilfe leisten. Die Studienlage spricht dafür, dass nicht nur professionelle Ersthelfer, sondern auch Laien die Geräte nutzen sollten.

Automatische externe Defibrillatoren (AED) sind auch in Deutschland immer häufiger an öffentlichen Orten anzutreffen, beispielsweise in Bahnhöfen oder in Einkaufszentren. Der prinzipielle Nutzen dieser Maßnahme gilt als weitgehend unstrittig. Wie die AEDs in Reanimationssituationen ganz konkret am besten eingesetzt werden sollten, ist allerdings etwas unklar und auch von Land zu Land verschieden.

Es gibt Modelle, bei denen die AEDs primär von professionellen Ersthelfern genutzt werden, die vor einem Notarzt am Unglücksort eintreffen, also etwa von Polizisten oder Feuerwehrleuten. Andernorts werden mit Hilfe entsprechender Informationskampagnen sehr explizit auch Laien dazu angehalten, die Geräte zu nutzen. Das dritte Modell ist ein Mischmodell, bei dem registrierte Laienhelfer in der Nähe eines Unglücksorts über die Leitstelle – zum Beispiel mit Hilfe einer App – alarmiert werden und dann eine Laienreanimation durchführen, falls verfügbar inklusive AED.

Eine Übersichtsarbeit in der Zeitschrift "Circulation" hat jetzt verfügbare Beobachtungsstudien zum AED-Einsatz an öffentlichen Orten ausgewertet (Circulation 2017; online 7. Juli) Insgesamt 41 Studien konnten berücksichtigt werden. In 18 dieser Studien ging es um den AED-Einsatz durch zufällig vor Ort befindliche Laien, weitere 20 untersuchten den Einsatz durch professionelle, nicht-medizinische Ersthelfer, und drei Studien deckten beides ab.

Insgesamt war die Studienlage sehr heterogen, und die einzelnen Studien waren kaum vergleichbar, sodass keine formale Metaanalyse durchgeführt werden konnte. Die Wissenschaftler haben sich in erster Linie die Überlebensrate bis Ankunft im Krankenhaus angesehen. Sie lag im Mittel bei 40 %. In Studien mit Laien-Defibrillation betrug sie im Mittel 53 %. War der AED nur professionellen Ersthelfern zugänglich, waren es knapp 29 %.

Die Autoren schließen daraus, dass es Sinn macht, bei Einsatzstrategien für öffentlich platzierte AED Laien mit einzubeziehen. Sie regen an, Studien durchzuführen, in denen gezielt die Reanimation und Defibrillation durch registrierte, via Leitstelle alarmierte Laien untersucht wird. Dazu gab es nämlich keine einzige Studie, die den Auswahlkriterien genügte. Ein entsprechendes Projekt mit einer Notfall-App läuft in Deutschland derzeit im Raum Lübeck. (gvg)

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