Ärzte Zeitung online, 08.12.2017

Arzneitherapie

Projekt InTherAKT: Weniger kann mehr sein

Ältere Menschen nehmen oft viele verschiedene Arzneien ein. Im Rahmen einer individualisierten Therapie sollte regelmäßig überprüft werden, ob die Medikation tatsächlich angemessen ist.

Von Matthias Herrmann

MANNHEIM. Vor rund zwei Jahren wurde das Projekt InTherAKT zur Verbesserung der medikamentösen Versorgung in Altenhilfeeinrichtungen gestartet (www.intherakt.de). Herzstück der gemeinsamen Arbeit von 15 Hausärzten, zwölf Apothekern und dem Pflegepersonal an zehn Altenhilfeeinrichtungen im Raum Münster ist eine Online-Plattform, die inzwischen zum Patent angemeldet wurde. Seit Anfang 2016 wurde es an rund 90 Patienten überprüft und optimiert.

Wie der Projektleiter Professor Jürgen Osterbrink, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg, beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim in Erinnerung rief, seien betagte und hochbetagte Menschen besonders oft von unerwünschten Arzneimittelinteraktionen betroffen. Vielfach seien die Interaktionen das Resultat nicht abgestimmter Prozesse der Leistungserbringer. Ein Ziel des Projektes InTherAKT ist deshalb, die Kommunikation und Kooperation zwischen den Berufsgruppen zu optimieren. Dazu wurden alle Beteiligten nicht nur online, sondern auch in Präsenzveranstaltungen geschult.

Zu den gravierendsten Folgen unerwünschter Arzneimittelwirkungen im Alter zählen aus Sicht von Apl. Professor Georg Hempel, Universität Münster, Gangunsicherheit, Synkopen und Stürze, die nicht selten lange Krankenhausaufenthalte und den Verlust der Autonomie nach sich ziehen. Eine ständige kritische Überprüfung der Medikation sei deshalb gerade bei älteren Menschen von großer Bedeutung. In InTherAKT wird die Angemessenheit der Medikation anhand des "Medication Appropriateness Index" (MAI) erhoben – und hier ergab sich eine Verbesserung um durchschnittlich 25 Prozent.

Besonders deutlich zeigte sich der Erfolg bei Patienten, die vorher sehr viele Medikamente einnehmen mussten: "In solchen Fällen konnten wir eine Verbesserung um bis zu 60 Prozent beobachten", so Hempel bei der vom Unternehmen Grünenthal unterstützten Veranstaltung in Mannheim. Im Einzelfall konnte die Zahl der Medikamente um bis zu fünf Präparate reduziert werden. Damit unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit der interprofessionellen Zusammenarbeit, bei der jede Berufsgruppe ihre Kompetenzen einbringt.

InTherAKT

»Bei diesem Projekt wird die Angemessenheit der Medikation bei älteren Menschen anhand des "Medication Appropriateness Index" erhoben.

»Im Einzelfall konnte die Zahl der Medikamente um bis zu fünf Präparate reduziert werden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Reiseimpfungen 2018 – Welcher Schutz ist nötig?

Egal, wohin die Reise geht, die Basisimpfungen sollten vorhanden sein. Doch auch 2018 gibt es für einige Länder spezielle Empfehlungen. mehr »

Mehr Trinken bringt kranken Nieren nichts

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion einen höheren Wasserkonsum nahezulegen, nützt nicht viel: Die Harnmenge nimmt etwas zu, doch die Nierenfunktion verbessert sich nicht. mehr »

Drogenbeauftragte möchte keine "Legalisierungsdiskussion"

Die Zahl der Rauschgiftdelikte steigt und steigt, wie die neueste Statistik des Bundeskriminalamts zeigt. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung warnt vor einer "Normalität" beim Konsum bestimmter Drogen. mehr »