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Ärzte Zeitung online, 07.02.2018

Optionen der Antikoagulation

Marcumar hat ausgedient

Kommentar von Thomas Müller

Es gibt heute kaum noch plausible medizinische Gründe, jemanden neu auf Marcumar einzustellen. Zu überzeugend sind die Daten großer Studien mit neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK). Nicht nur fällt unter NOAK das Problem mit stark schwankenden INR-Werten weg, auch ist das Risikoprofil bei vergleichbarer Wirksamkeit deutlich besser als mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA): Es treten nur rund halb so häufig Hirnblutungen auf, und wenn es zu solchen kommt, ist die Prognose bei einer Vortherapie mit NOAK auch noch deutlich besser als mit VKA.

Letzteres wurde soeben mit der bislang größten Registeranalyse zu diesem Thema bestätigt. Damit fallen die wohl letzten Bedenken gegen die NOAK-Therapie weg – dass eine Hirnblutung schwerer zu kontrollieren sein könnte, weil es meist kein Antidot gibt. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Ein Problem bei einer VKA-Therapie ist und bleibt die schlechte INR-Kontrolle. In Studien hatten Patienten nur 50 bis 60 Prozent der Zeit therapeutische Werte, in der Praxis dürfte der Anteil weit geringer sein. Zu hohe Werte steigern jedoch das Blutungsrisiko, zu niedrige das für ischämische Ereignisse. Diese Lotterie sollten Ärzte ihren Patienten nicht weiter zumuten. Immerhin erhalten bereits zwei Drittel der in Deutschland neu eingestellten Patienten ein NOAK. Das ist gut, aber noch nicht gut genug.

Lesen Sie dazu auch:
Neu ist besser: Keine Angst vor Hirnblutung unter NOAK!

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[11.02.2018, 20:00:16]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Lieber Herr Lindner!
Danke für Ihren mutigen Ärzte-Zeitung-Kommentar zum Marcumar-Spardiktat in der GKV. Ich habe das schon gar nicht mehr erwähnen wollen, bei meiner Fundamentalkritik an der Bürgerversicherung. Damit sollen gutverdienende Politiker, Abgeordnete und Mandatsträger besser gestellt werden, die dann nur noch 2,12 % Arbeitnehmer-Beiträge zahlen müssen, wenn sie mit 15.000€ 3,6-fach über der Beitragsbemessungsgrenze liegen.

https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/article/957064/koalitionsvereinbarungen-arzthonorar-bleibt-arbeitsthema-fokus-versorgung-groko-merkel.html?sh=1&h=-1592019750#comment

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. London/GB)  zum Beitrag »
[09.02.2018, 19:11:08]
Ruth Ney 
Ein wichtiges Thema !
Zu obigem Kommentar erreichte uns ein Leserbrief von Armin Lindner aus Konz:

Sehr geehrter Herr Müller,
danke, dass Sie ein Thema ansprechen, mit dem sicherlich zahlreiche Kassenpatienten ihr Problem haben, zu denen auch ich gehöre. Nach einem festgestelltem Vorhofflimmern infolge Herzinfarkt, Bluthochdruck und Stenteinsatz hat auch mir die Hausärztin, ihrem Budgetzwang gehorchend, Marcumar verordnet.
Ich habe mich nach einer Rücksprache mit meiner Krankenkasse, die sich sehr eindeutig festgelegt hat, dass es keine Wunschmedikamente geben und nur bei Unverträglichkeit von Marcumar und absolut begründeter Notwendigkeit eine Verschreibung für einen dieser modernen Gerinnungshemmer geben kann, letztlich zur Selbstzahlung von Xarelto entschlossen, d. h. 242,52 Euro pro 98 Tabletten, die ich glücklicherweise in Luxemburg kaufen kann (in Deutschland sogar 320 Euro).
Der niedrigere Preis in Luxemburg resultiert aus dem nur mit 3% Mehrwertsteuer belasteten Arzneimitteln gegenüber Deutschland mit 19 % ( Hunde- u. Katzenfutter in Deutschland nur 7% , also wichtiger als die medizinische Versorgung der Menschen ! ! ! ).
Im Geschwätz der Politiker zur Zweiklassenmedizin wird nur auf die eventuell resultierende Wartezeiten-Differenz verwiesen, die ich als weniger bedeutsam erachte als das Budget-Problem, denn damit werden die Kassenpatienten von wirksameren, aber in der Regel teureren Medikamenten auf Jahre vom medizinischen Fortschritt ausgeschlossen bis Patentzeiträume auslaufen und billigere Duplikate vorhanden sind, oder soll sich der Hausarzt wegen Budget-Überschreitung ständig mit den Kassen streiten?
Genau darin liegt das gegenwärtige Problem einer Zwei-Klassenmedizin und nicht in der Wartezeitdifferenz, die im Ernstfall durch Notaufnahme-Zentren kompensiert werden kann. Aber leider wurde dieses Grundproblem der medizinischen Versorgung aller Bürger nach der " GroKo-Einigung " wieder in das Bereich "..... Arbeitsgruppen.... " verschoben.
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