Ärzte Zeitung online, 08.02.2018

DGIM-Vorsitzender

Plädoyer für Leitlinien speziell für alte und multimorbide Patienten

Plädoyer für Leitlinien speziell für alte und multimorbide Patienten

Klinische Studien mit Medikamenten sind meist nicht auf alte Menschen zugeschnitten. Daran erinnerte DGIM-Vorsitzender Professor Cornel Sieber bei der Jahrespressekonferenz der Gesellschaft.

© Creative-Family / Getty Images / iStock

BERLIN. Ärzte brauchen wissenschaftlich fundierte Leitlinien für alte und multimorbide Patienten, betont die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). In geriatrische Forschung müssten vor allem auch die speziellen Bedürfnisse alter Patienten einfließen, so die DGIM aus Anlass ihrer Jahrespressekonferenz in Berlin.

Klinische Studien mit Medikamenten seien meist nicht auf alte Menschen zugeschnitten, erinnerte DGIM-Vorsitzender Professor Cornel Sieber bei der Veranstaltung. Teilnehmer sind meist Patienten mittleren Alters mit Monopathologie – sie leiden also ausschließlich an der Krankheit, gegen die sich das Mittel richtet. "Alte Patienten sind jedoch oft chronisch krank und leiden an mehreren Krankheiten gleichzeitig. Die Ergebnisse aus klinischen Studien einfach auf alte Patienten zu übertragen, ist deshalb meist nicht wissenschaftlich fundiert, ja möglicherweise sogar riskant", wird Sieber in einer Mitteilung der DGIM zur Veranstaltung zitiert.

"Bei der Zulassung von Medikamenten muss die besondere Situation von alten Patienten berücksichtigt werden", fordert er: "Wir brauchen eine intensivere altersmedizinische Forschung, um auch alte Patienten nach evidenzbasierten Maßstäben – wohl in adaptierter Form – behandeln zu können."

Auch viele Leitlinien gehen auf die speziellen Bedürfnisse alter Menschen gar nicht ein. Es gebe deshalb meist keine fundierten wissenschaftlichen Grundlagen für eine evidenzbasierte Versorgung alter Menschen", betont der Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg.

Auch die Behandlungsziele bei alten Menschen unterscheiden sich von denen jüngerer: Bei ihnen steht aufgrund der begrenzten Lebenszeit oft nicht die Heilung, sondern Selbstständigkeit und Lebensqualität trotz diverser Krankheiten im Vordergrund. "Dass alte Menschen mit mehreren Krankheiten eine spezielle Diagnostik und Therapie brauchen, muss auch seinen Niederschlag in der Aus-, Fort- und Weiterbildung des medizinischen Personals finden," betont Sieber in der Mitteilung. Entscheidend für die Behandlung alter Menschen sei zudem ein geriatrisches multidisziplinäres Team, in dem mehrere Fachdisziplinen eng zusammenarbeiten, und zwar auch mit der Pflege und Physiotherapie. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Der Transgender-Trend

Paradigmenwechsel? Transsexuelle lassen sich sogar selbstbewusst für den "Playboy" ablichten. Psychiater warnen aber vor einem Geschlechtsdysphorie-Hype unter Jugendlichen. mehr »

Deshalb gibt's immer mehr Parkinsonkranke

Die absolute Zahl der weltweiten Parkinsonkranken hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Forscher haben eine Vermutung, warum der Anstieg in manchen Ländern so stark ist. mehr »

Das Brexit-Brimborium

Unser Londoner Blogger Arndt Striegler hat alle Tests bestanden und ist nun britischer Staatsbürger. Doch auch als Passinhaber ist er sich sicher: Die Briten werden nach dem EU-Ausstieg nicht besser dastehen als vorher. mehr »