Ärzte Zeitung online, 04.05.2018

Schonen oder Durchstarten

Dürfen herzkranke Kinder Sport machen?

Sport ist bei Jungen und Mädchen mit Herzproblemen ein heikles Thema. Ein Aktionsbündnis erklärt zum "Tag des herzkranken Kindes" am vergangenen Samstag, worauf Eltern achten müssen . Das Statistische Bundesamt zeigt zudem auf, dass es zuletzt immer mehr Herz-Korrekturen bei Kindern gegeben hat.

Von Alexander Joppich

Dürfen herzkranke Kinder Sport machen?

Für ältere Kinder ist Mannschaftssport meistens gut – selbst wenn sie ein Herzleiden haben.

© pmphoto / Fotolia (Symbolbild mit Fotomodellen)

FRANKFURT. Sport ist kein Mord: Auch herzkranke Kinder sollten sich möglichst ungehindert körperlich betätigen. Dazu rät das Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler (ABAHF) in einer Mitteilung anlässlich des "Tags des herzkranken Kindes" am Samstag.

Sport sei essenziell für eine positive Persönlichkeitsentwicklung und baue Selbstbewusstsein und -wahrnehmung auf. Auch die Koordination werde so gestärkt. Daher sollten herzkranke Kinder Sport treiben dürfen – sobald sie sich von einem Herzeingriff erholt haben. Darunter fielen auch Mannschaftssportarten wie Fußball und der Schulsport. Zu Letzterem bietet das Bündnis eine Broschüre an.

Spezielle Sportgruppen sinnvoll

Das ABAHF empfiehlt Kinderherzsportgruppen, von denen es bundesweit mehr als ein Dutzend gebe. "Optimal ist es, wenn die Kinder daran teilnehmen, bevor sie in die Schule gehen", so Prof. Birna Bjarnason-Wehrens von der Deutschen Sporthochschule Köln. Bei jüngeren Kindern werde in diesen vor allem die Koordination und Körperwahrnehmung geschult; älteren Heranwachsenden würden Ausdauersport und Mannschaftsspiele angeboten, erklärt das Aktionsbündnis. Auch manche Sportvereine hätten sich mit besonderen Sportangeboten auf Kinder mit verschiedenen Erkrankungen eingestellt.

Wie stark ein Junge oder Mädchen sportlich aktiv sein kann, sei individuell verschieden, betont die ABAHF. "Eltern raten wir zu einem Sporttauglichkeitstest, in dem der behandelnde Kinderkardiologe die Belastbarkeit des Kindes genau dokumentiert", so Sprecher Kai Rüenbrink. Ein solcher Test bringe Klarheit für Arzt, Eltern und Kind.

Immer mehr Herz-Op bei Kindern

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat vor dem "Tag des herzkranken Kindes" bekannt gegeben, dass es 2016 mehr Herz-Operationen bei Kindern gegeben hat als zuvor. 4292 entsprechende Klinikaufenthalte hat es im vorletzten Jahr gegeben – 5,7 Prozent mehr als vor zehn Jahren. In diesem Zeitraum ist dagegen die Zahl der Kinder in Deutschland um 4,5 Prozent zurückgegangen.

Laut Destatis gab es insgesamt 11.175 Herz-Korrekturen bei Kindern bis einschließlich 13 Jahren. Die Differenz aus den Zahlen zur Korrektur und den Klinikaufenthalten ergibt sich daraus, dass bei einer Op oft mehrere Korrekturen vollzogen werden.

Besonders häufige Herzeingriffe bei Kindern sind:

  • plastische Rekonstruktionen der Herzscheidewand bei angeborenen Herzfehlern (2349 Maßnahmen),
  • Operationen bei angeborenen Gefäßanomalien (1936) und
  • andere operative Eingriffe am Herzen bei angeborenen Anomalien (1550).
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