Ärzte Zeitung online, 18.05.2018

Aortenaneurysmen / Projekt

Herzgefäßprothese bald aus dem 3-D-Drucker?

Mediziner der Uniklinik München wollen die 3-D-Drucktechnik für passgenauere Prothesen bei Aortenaneurysmen nutzen.

Herzgefäßprothese bald aus dem 3-D-Drucker?

3-D-Druck-Modell eines Gefäßaneurysmas (weiß) und der Form der späteren Gefäßprothese (rot) in den Händen von Dr. Nikolaus Thierfelder, Herzchirurg. Klinik u. Poliklinik, Klinikum der LMU München.

© Andreas Steeger/Klinikum der LMU München

NEU-ISENBURG. Ein Forscherteam um den Herzchirurgen Dr. Nikolaus Thierfelder vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München arbeitet derzeit daran, künstliche Gefäßprothesen patienten-individuell herzustellen. Das neue Verfahren, das die 3-D-Drucktechnik nutzt, wird im Rahmen des mit rund 60.000 Euro geförderten Dr. Rusche-Forschungsprojektes gefördert, wie die Deutsche Herzstiftung mitteilt.

Herzgefäßprothese bald aus dem 3-D-Drucker?

CT-Aufnahme eines Aortenaneurysmas.

© Dr. Nikolaus Thierfelder/Klinikum der LMU München

"Unser Ziel ist es, durch die verbesserte Passgenauigkeit der Prothese die Komplikationsrate signifikant zu senken und gleichzeitig die Sicherheit für die Patienten zu erhöhen", betont Thierfelder in der Mitteilung. Bislang werden Prothesen nach Auswertung von Aufnahmen des erkrankten Gefäßes aus einer Auswahl vorgefertigter Größen ausgewählt und eingesetzt. Häufig passe die Prothese aber nicht ideal zur Anatomie des Patienten. Die Folge: Komplikationen etwa durch das Verrutschen der Prothese oder eine mangelnde Abdichtung an den Prothesenenden, wie Studien belegten, so Thierfelder.

Die München Wissenschaftler arbeiten daher daran, auf der Basis von CT- oder MRT-Aufnahmen, die im Zuge der Diagnostik vor dem Eingriff ohnehin gemacht werden, patienten-individuelle Prothesen zu produzieren. Ihren Angaben zufolge könnten in einem mehrstufigen Prozess und mit Hilfe einer spezialisierten Software die betroffenen anatomischen Strukturen definiert und freigestellt werden. Die Stelle, an der z.B. das Aneurysma vorliege, werde anschließend mittels eines 3-D-Druckers als plastisches Modell hergestellt. Auf dieses Modell werde dann per Elektrospinning eine dünne, faserige Polymerschicht aufgetragen. Zudem würde in die so entstandene Gefäßprothese noch ein form- und stabilitätsgebendes Drahtskelett eingearbeitet.

Thierfelder äußert sich dazu in der Pressemitteilung optimistisch: "Mit dem neuen Verfahren wollen wir die Prothesenherstellung im Vergleich zur bisherigen, manuellen Produktionsmethode nicht nur individueller, sondern auch ökonomischer, schneller und insbesondere sicherer machen." (run)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Darum will Maria Rehborn unbedingt Landärztin werden

Studentin Maria Rehborn möchte Landärztin werden in den Bergen werden – ein Portrait. mehr »

Welches Wasser in die Nasendusche?

In unserem Trinkwasser tummeln sich viele Erreger. Forscher haben nun getestet, mit welcher Methode Nasenduschen-Wasser behandelt werden sollte, um diese abzutöten. mehr »

Die Rückkehr des Badearztes

Eine Medizinerin bringt die Region Wiesbaden ins Schwitzen: als einzige Badeärztin der Gegend. Der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum sie Treppen steigen lässt statt eines EKGs – und wie sie 75 Patienten an ihrer Zunge erkannte. mehr »