Ärzte Zeitung online, 05.12.2018

Bevölkerungsstudie

Wer fit ist, halbiert sein KHK-Risiko

Früh übt sich. Selbst bei offensichtlich gesunden Menschen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung macht der Grad der körperlichen Fitness mit Blick auf das kardiovaskuläre Risiko einen Unterschied.

Von Peter Overbeck

Wer fit ist, halbiert sein KHK-Risiko

Eine gute Fitness scheint per se vor Herz-und Gefäßkrankheiten zu schützen. Das legt die AuSwertung einer großen norwegischen Studie nahe.

© elnariz / stock.adobe.com

TRONDHEIM. Eine gute Fitness scheint per se vor Herz- und Gefäßerkrankungen zu schützen, während eine schlechte körperliche Leistungsfähigkeit ein Warnzeichen für drohende kardiovaskuläre Probleme in der Zukunft sein kann. Dafür sprechen Ergebnisse einer Langzeitstudie norwegischer Forscher.

Die Untersuchergruppe um Dr. Bjarne Nes von der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) hat 4527 gesunde Männer und Frauen, die zwischen 2006 und 2008 in eine bevölkerungsbasierte Gesundheitsstudie (HUNT-3-Studie) in Norwegen aufgenommen worden waren, über mehrere Jahre nachbeobachtet. Alle Teilnehmer waren zu Beginn gesund und frei von Herz-Kreislauf-, Lungen-, oder Krebserkrankungen. Ihre Blutdruckwerte waren normal. Die Ergebnisse wurden nun im European Heart Journal publiziert (doi.org/10.1093/eurheartj/ehy708).

Fitness-Test per Blutgasanalyse

Bei allen Teilnehmern wurde initial per Blutgasanalyse die maximal mögliche Sauerstoffaufnahme (VO2max) bei Belastung als Goldstandard-Maß für die körperliche (Ausdauer-)Leistungsfähigkeit ermittelt. Dabei wurde während zunehmender Belastung auf dem Laufband der Sauerstoffgehalt der ein- und ausgeatmeten Luft gemessen und in Relation zu den Faktoren Zeit und Körpergewicht gesetzt.

Der durchschnittliche VO2max-Wert lag initial bei 36,0 ml/kg/min (Frauen) und 44,4 ml/kg/min (Männer). Die Dauer der Nachbeobachtung betrug im Schnitt knapp neun Jahre. In dieser Zeit wurde bei 147 Teilnehmern (3,3%) eine tödlich verlaufene oder chronische koronare Herzerkrankung (KHK) diagnostiziert.

Gute Fitness halbiert KHK-Risiko

In einer für diverse andere Einflussfaktoren adjustierten Analyse kamen Nes und seine Kollegen zu dem Ergebnisse, dass jede Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme um eine MET-Einheit (metabolic equivalent task; eine MET entspricht 3,5 ml/kg/min) unabhängig vom Geschlecht der Teilnehmer mit einer relativen Abnahme des KHK-Risikos um 15% assoziiert war.

Nach VO2max-basierter Aufteilung der Teilnehmer in vier Gruppen zeigte sich, dass die Teilnehmer in der Quartile mit den besten VO2max-Werten ein relativ um 48% niedrigeres Risiko für eine Koronarerkrankung hatten als die Teilnehmer in der Quartile mit den relativ niedrigsten VO2max-Werten.

„Dies zeigt, dass eine höhere kardiorespiratorische Fitness sowohl vor akuten als auch chronischen Herz- und Gefäßproblemen schützt“, so Studienleiter Nes in einer Pressemitteilung der Europäischen Kardiologie-Gesellschaft ESC anlässlich der Studienpublikation. „Selbst kleine Verbesserungen der Fitness könnten große Auswirkungen auf die Gesundheit haben,“ so Nes.

Eine Limitierung der Studie könnte sein, dass der initial vorgenommene Belastungstest dazu geführt hat, dass körperlich aktivere Menschen eher zur Studienteilnahme bereit waren – was die Generalisierbarkeit der Studienergebnisse einschränken würde.

Mehr zur Kardiologie unter www.kardiologie.org

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[06.12.2018, 12:26:07]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"WER FIT IST, IST AUCH KHK-FIT"!
"Peak oxygen uptake and incident coronary heart disease in a healthy population: the HUNT Fitness Study" von Jon Magne Letnes et al. https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehy708/5193503
belegt mit dem Surrogat-Parameter "höchste Spitzen-Sauerstoff-Aufnahme" eigentlich nur: "WER FIT IST, IST AUCH KHK-FIT". Vornehmer ausgedrückt: "Conclusion - VO2peak was strongly and inversely associated with CHD across the whole fitness continuum in a low-risk population sample. Increasing VO2peak may have substantial benefits in reducing the burden of CHD." [CHD=KHK Koronare Herzkrankheit].

Das ist jedoch epidemiologisch längst selbst für KHK-Hochrisikopatienten empirisch belegt. Auch eine interventionelle/nicht-interventionelle Vergleichsstudie wie COURAGE hatte die Bedeutung von Fitness, Gewichtsreduktion und Lebensstil-Änderungen 2007 und 2015 belegt.

- Die COURAGE-Studie von 2007: "Optimal Medical Therapy with or without PCI for Stable Coronary Disease" von William E. Boden et al.
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa070829
N Engl J Med 2007; 356:1503-1516 April 12, 2007

- Die Nachfolge-Studie von 2015: "Effect of PCI on Long-Term Survival in Patients with Stable Ischemic Heart Disease" von Steven P. Sedlis et al. for the COURAGE Trial Investigators
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1505532
N Engl J Med 2015; 373:1937-1946November 12, 2015

Die Langzeit-Ergebnisse der COURAGE-Studie belegen, dass der konservative Ansatz mit flankierenden, Lebensstil-ändernden Maßnahmen eine ebenbürtige Option ist. Herzinfarkt-Morbidität und -Mortalität sinken ganz erheblich durch gleichzeitige prä-, post-interventionelle und/oder medikamentöse und/oder Lebensstiländerungen. Leider fehlt es bei vielen unserer Patienten/-innen an Courage, geforderte Lifestyle-Modifikationen umzusetzen.

"Sustained Physical Activity, Not Weight Loss, Associated With Improved Survival in Coronary Heart Disease" von Trine Moholdt et al. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0735109718300986?via%3Dihub
beschreibt mit einem Follow-up über 30 Jahre Morbiditäts- und Mortalitäts-Reduktion durch Sport-Aktivitäten ("physical activity" PA): "Sustained PA, however, was associated with substantial risk reduction."

Die hier von Peter Overbeck hervorragend dargestellte Studie ist in der Tat durch ein "selection bias" charakterisiert: zu viele fitte und zu wenig unfitte Probanden.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. St. Moritz/CH)  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wie man trotz Plätzchen den Kilos trotzt

Ein Lebkuchen hier, ein Dominostein da und dann noch die fette Weihnachtsgans. Forscher geben studiengeprüfte Tipps gegen den üblichen Gewichtszuwachs an den Feiertagen. mehr »

Psychotherapeuten werfen der Koalition Diskriminierung vor

15:07Die Psychotherapeuten laufen Sturm gegen das TSVG. Sie fordern gleiche Rechte für ihre Patienten. mehr »

Prostatakrebs immer früher entdeckt

Im Vergleich zu den 1990er Jahren wird das Prostatakarzinom bei Männern unter 50 Jahren heute bereits in früheren Stadien diagnostiziert. Darauf deuten Studienergebnisse hin. mehr »