Ärzte Zeitung, 06.02.2004
 

Hormon Melatonin senkt hohen Blutdruck

Pilotstudie mit 16 Patienten / Effekt durch Normalisierung des Tag-Nacht-Rhythmus?

AMSTERDAM (wsa). Melatonin reguliert nicht nur die biologische Uhr, sondern ist in der Lage, einen krankhaft erhöhten Bluthochdruck zu senken.

Melatonin ist für die Regulation der biologischen Uhr, die den Tag-Nacht-Rhythmus der Körperfunktionen kontrolliert, von besonderer Bedeutung. Jetzt haben niederländische Forscher eine bisher unbekannte Wirkung des schlaffördernden Hormons nachgewiesen: Es kann einen pathologisch hohen Blutdruck senken. Das ist das Ergebnis einer kleinen Studie (Hypertension 43/2, 2004, 192).

"Bei Menschen mit erhöhtem Blutdruck hat man beobachtet, daß ihr nächtlicher Melatoninspiegel vermindert ist", so Dr. Frank Scheer, einer der Autoren der Studie, derzeit Mitarbeiter der Harvard Medical School in Boston im US-Staat Massachusetts.

Er und seine Kollegen vom Niederländischen Institut für Hirnforschung hatten 16 Hypertoniker drei Wochen lang täglich mit einer Dosis von 2,5 Milligramm Melatonin behandelt. Das Mittel wurde eine Stunde vor dem Schlafengehen verabreicht. Zur Kontrolle erhielten einige der Teilnehmer Placebo.

Bei den hormonbehandelten Patienten sank der nächtliche systolische Blutdruck um 6 mmHg. Möglicherweise sei dieser Effekt auf die Normalisierung eines gestörten Tag-Nacht-Rhythmus zurückzuführen, vermutet Scheer. Bevor aber eine Melatonintherapie bei Hypertonie empfohlen werden könne, müßten zunächst größere Studien die beobachtete Wirkung bestätigen.

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