Ärzte Zeitung, 07.04.2004

Kombitherapien sind bei Hypertonie initial noch selten

Daten von einer Million Hypertonie-Patienten ausgewertet / Drei Viertel aller neu eingestellten Hypertoniker erhalten zunächst eine Monotherapie

BERLIN (gvg). Keine andere Diagnose wird von Hausärzten häufiger gestellt als die Diagnose Bluthochdruck. Das belegen Daten von über einer Million Patienten, die das Frankfurter Institut für Medizinische Statistik (IMS) 2003 erhoben hat. Mit einer Kombitherapie sind Deutschlands niedergelassene Ärzte demnach noch zögerlich.

Das IMS bezieht anonymisierte Patientendaten von 693 Allgemeinärzten und hausärztlich tätigen Internisten, deren Praxis-EDV eine entsprechende Schnittstelle besitzt. Diesen Daten zufolge dokumentierten die Kollegen im Jahr 2003 bei fast jedem fünften Patienten eine arterielle Hypertonie.

Die Erkrankung werde damit häufiger diagnostiziert als akute und chronische Atemwegsinfekte, die jeweils bei etwa 17 Prozent der Patienten festgestellt würden, so IMS-Mitarbeiter Detlef Schröder-Bernhardi in Berlin auf der Einführungsveranstaltung zum neuen Antihypertensivum Provas® 160 maxx von Schwarz Pharma. Das Medikament enthält 160 mg Valsartan plus 25 mg Hydrochlorothiazid (HCT).

Nach den Daten des IMS erhalten drei Viertel aller neu eingestellten Hypertoniker zunächst eine Monotherapie, wobei hier Präparate, die ins Renin-Angiotensin-Aldosteron-System eingreifen, bei einem Großteil der Patienten die erste Wahl sind. Die übrigen Patienten erhalten je zur Hälfte feste und freie Medikamentenkombinationen.

Ein Jahr nach Beginn der Initialtherapie werden von den anfangs mit Monotherapie behandelten Patienten noch immer neunzig Prozent mit einer Monotherapie behandelt, allerdings nicht unbedingt mit derselben wie am Anfang. "Gerade das erste Behandlungsjahr ist eine Zeit häufiger Präparatewechsel, wobei hier im Moment vor allem zwischen unterschiedlichen Monotherapien hin- und hergewechselt wird", so Schröder-Bernhardis Fazit.

Professor Rainer Düsing von der Universitätspoliklinik Bonn sieht dieses Ergebnis kritisch: Berücksichtige man die guten Erfolgschancen von Zweierkombinationen wie Valsartan 160 und HCT 25 im Vergleich mit reinen Monotherapien dann wäre es wünschenswert, wenn früher kombiniert würde.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »