Ärzte Zeitung, 19.03.2004

Candesartan senkt das Risiko für Diabetes-Entwicklung

Neue Analyse von Daten der CHARM-Studie zum Effekt des AT-II-Blockers bei Herzinsuffizienz / Reduktion des Diabetes-Risikos um 22 Prozent

NEW ORLEANS (ob). Eine Blockade des Renin-Angiotensin-AldosteronSystems (RAAS) scheint sich auf den Glukose-Stoffwechsel günstig auszuwirken. So entwickelten mit dem Angiotensin-II-Blocker Candesartan behandelte Patienten signifikant seltener einen Diabetes mellitus als Patienten in der Placebo-Gruppe, hat eine neue Analyse von Daten der CHARM-Studie ergeben.

Diabetes-Prävention durch RAAS-Hemmung? Den ersten Hinweis, daß dies mehr als nur eine Hypothese sein könnte, lieferte die HOPE-Studie. In dieser großen Studie ist bei Hochrisiko-Patienten durch den ACE-Hemmer Ramipril nicht nur die Häufigkeit von kardiovaskulären Ereignissen signifikant verringert worden - auch die Inzidenz von neu aufgetretenem Typ-2-Diabetes war im Vergleich zu Placebo um 34 Prozent niedriger.

Auch in Studien mit anderen ACE-Hemmern oder Angiotensin-II-Blockern wie Losartan war die Diabetes-Inzidenz niedriger. Allerdings wurden in den Vergleichsgruppen meist Thiaziddiuretika oder Betablocker verabreicht - also Medikamente mit potentiell diabetogener Wirkung. Was den Unterschied in der Diabetes-Inzidenz bewirkt hatte, war deshalb in diesen Studien nicht eindeutig zu klären.

Dieses Problem besteht bei der CHARM-Studie nicht, die genau wie HOPE eine Placebo-kontrollierte Studie ist. Geprüft wurde die Wirksamkeit von Candesartan (Atacand®, Blopress®) bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz.

CHARM besteht aus drei separaten Studien, an denen Patienten mit ACE-Hemmer-Unverträglichkeit, Patienten mit ACE-Hemmern als Basismedikation und Patienten mit erhaltener systolischer Pumpfunktion teilgenommen haben. Mit Candesartan wurde die Zahl der kardiovaskulär bedingten Todesfälle und Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz signifikant gesenkt.

Von den 7601 Studienteilnehmern waren 5436 initial keine Diabetiker. Von diesen Patienten entwickelten 6,0 Prozent in der Candesartan-Gruppe und 7,4 Prozent in der Placebo-Gruppe einen neu diagnostizierten Diabetes. Wie Professor Salim Yusuf beim Kongreß des "American College of Cardiology" (ACC) in New Orleans berichtete, entspricht dies einer signifikanten Reduktion des Diabetes-Risikos um 22 Prozent durch Candesartan. Bei Patienten mit ACE-Hemmern als Basismedikation war dieser antidiabetogene Effekt schwächer ausgeprägt und nicht signifikant. Für Patienten, die keine ACE-Hemmer erhielten, verringerte sich dagegen durch Candesartan die Diabetes-Rate signifikant um 35 Prozent im Vergleich zu Placebo.

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