Forschung und Praxis, 25.10.2004
 

Bei Hypertonie und Diabetes gilt es, noch häufiger den Urin zu testen

Hypertoniker mit Mikroalbuminurie haben nach den Ergebnissen mehrerer Studien im Vergleich zu Patienten mit gesunden Nieren ein bis zu achtfach erhöhtes Risiko, ein kardiovaskuläres Ereignis, etwa einen Herzinfarkt, zu bekommen. Auch das Risiko, an einer Kerz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, ist nahezu verdoppelt.

Mit der Bestimmung von Albumin im Urin lassen sich so Patienten mit einem besonders hohen kardiovaskulären Risiko erkennen, die deshalb konsequent behandelt werden sollten.

Die Bedeutung dieses Risikofaktors für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und nicht nur für die terminale Niereninsuffizienz, ist inzwischen Ärzten gut bekannt. Dies hat jetzt eine aktuelle E-Mail-Umfrage unter Kardiologen bestätigt: 80 Prozent der Befragten stimmten dem zu.

Dies sollte aber noch mehr als bisher Konsequenzen für die Betreuung und die Therapie der Patienten bekommen. Denn nur 18 Prozent der befragten Kardiologen testen nach ihren Angaben nahezu jeden Hypertoniker routinemäßig auf Albumin im Urin.

Bedeutung der Mikroalbuminurie wird noch verkannt

Die Ergebnisse der Umfrage bei 483 Kardiologen hat Dr. Massimo Volpe von der Universität Rom bei einer Veranstaltung der Unternehmen Sanofi-Synthelabo und Bristol-Myers Squibb vorgestellt.

Auf die Frage, mit welchem Test am genauesten das kardiovaskuläre Risiko eines Patienten vorherzusagen ist, entschieden sich nur 41 Prozent für die Mikroalbuminurie. Eine Bestimmung des LDL-Spiegels wurde von 88 Prozent und eine Messung des HDL-Spiegels wurde von 57 Prozent als der Test bezeichnet, der am genauesten das kardiovaskuläre Risiko eines Patienten vorhersagt.

Nach den gemeinsamen Leitlinien der Europäischen Fachgesellschaften für Hypertonie und für Kardiologie aus dem Jahr 2003 sollte die Messung des Albumins im Urin regelmäßig bei allen Hypertonikern und Diabetikern vorgenommen werden.

Der Grund: Mikroalbuminurie ist ein wichtiger unabhängiger Risikofaktor bei diesen Patienten für Herzinfarkt, Schlaganfall und für die Entwicklung eines Nierenversagens.

Und nur 36 Prozent der Befragten stimmten zu, daß der Nachweis einer Mikroalbuminurie die Entscheidungen bei einer blutdrucksenkenden Therapie beeinflußt, trotz eindeutiger Studienergebnisse, etwa zum Nutzen des Angiotensin-II-Antagonisten Irbesartan (in Deutschland als Aprovel® und Karvea® auf dem Markt) in der IRMA-2-Studie. (Rö)

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