Ärzte Zeitung, 20.09.2005

Plädoyer für Hypertoniker-Schulungen

Management der Hypertonie allein genügt nicht / Verbesserung des Gesamtrisikoprofils ist wichtig

MÜNCHEN (wst). In der täglichen Praxis liegen bei vielen Hochdruckpatienten trotz medikamentöser Therapie die Blutdruckwerte bekanntlich deutlich über den aktuell empfohlenen Grenzen von 140/90 mmHg beziehungsweise 130/80 mmHg bei Diabetes. Für die Prognose des Patienten ist es aber entscheidend, mit allen Mitteln um jeden mmHg in Richtung der Zielwerte - oder gar der Optimalwerte (<120/80 mmHg) - zu kämpfen.

Daran hat Privatdozent Dr. Friedhelm Späh vom Klinikum Krefeld kürzlich bei einer Veranstaltung in München erinnert. Um normotone Blutdruckwerte zu erreichen, sollte man sich nicht scheuen, früh zwei oder mehrere sich synergistisch ergänzende Antihypertensiva zu kombinieren, sagte Späh auf der Veranstaltung des Unternehmens Merck KGaA.

Um im Interesse der Compliance dennoch die Tablettenzahl zu begrenzen, bieten sich fixe Kombinationen wie das aus dem ACE-Hemmer Enalapril und dem Kalziumantagonisten Nitrendipin zusammengesetzte Eneas® an.

Auch die besten Antihypertensiva allein reichen nicht aus, um die Prognose von Hypertonikern zu optimieren. Denn die meisten Hypertoniker sind übergewichtig und viele haben zusätzlich eine Fett- und Zuckerstoffwechselstörung. Gelingt es, diese Patienten zu mehr Bewegung, einer gesünderen Ernährung, Gewichtsreduktion, Alkoholeinschränkung und Rauchverzicht zu motivieren, sinkt nicht nur der Blutdruck weiter, sondern es wird auch das kardiovaskuläre Gesamtrisiko vermindert.

Schulungsprogramme für Hypertoniker in Arbeit

Damit Hypertoniker, die von ihrer Krankheit ja lange Zeit nichts spüren, die medikamentösen und nichtmedikamentösen Notwendigkeiten einsehen und ihnen lebenslang die Treue halten, müssen sie gewissermaßen zum Experten in eigener Sache werden, so Späh. Das heißt, auch sie brauchen, wie für Diabetiker schon etwas weiter realisiert, regelmäßige Schulungen, in der nicht nur das Management der Hypertonie sondern des Gesamtrisikoprofils Thema ist.

Mit ihrem neu ins Leben gerufenen Projekt "CardioMetabolic Care" versucht etwa das Unternehmen entsprechende Schulungsprogramme, die über rein pharmakologische Strategien hinaus gehen, zu erarbeiten und voraussichtlich ab Ende des Jahres für die tägliche Praxis zur Verfügung zu stellen, ergänzte Dr. Wolfgang Knirsch vom Unternehmen.

STICHWORT

Blutdrucksenkung ohne Medikamente

Gewichtsreduktion und Ausdauertraining sind die effektivsten nichtmedikamentösen Strategien, um den Blutdruck maßgeblich zu senken, hat Privatdozent Dr. Friedhelm Späh aus Krefeld auf einem Pressegespräch in München betont. Übergewichtige Patienten mit Bluthochdruck dürfen bei einem Verlust von nur fünf Kilogramm Körpergewicht mit einer Reduktion des Blutdrucks um 10/5 mmHg rechnen. Ein neu begonnenes und konsequent fortgesetztes Ausdauertraining von dreimal 40 Minuten die Woche reduziert den Druck um 10/8 mmHg, zitierte Späh die Ergebnisse von Untersuchungen. (wst)

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