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Ärzte Zeitung, 25.11.2005

"Bei der Hypertonie-Diagnostik muß der Hausarzt die Weichen stellen"

Berliner Kollege gibt Empfehlungen zum Pflichtprogramm bei Erstdiagnose

BERLIN (gvg). Welcher Bluthochdruckpatient muß umfangreich diagnostiziert werden? Bei wem reicht eine grobe Basisdiagnostik? Auf dem Jahreskongreß der Hochdruckliga in Berlin hat Professor Walter Zidek von der Charité Berlin Empfehlungen dazu gegeben.

Die Weichen müßten beim Hausarzt mit einer knappen Basisdiagnostik für alle neu erkannten Hochdruckpatienten gestellt werden, so Zidek auf einem von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin mitorganisiertem Symposium. Nur bei Therapieresistenz oder bei Auffälligkeiten in dieser Basisdiagnostik sei ein aufwendigeres Untersuchungsprogramm indiziert.

Abgesehen von Anamnese und Untersuchung gehören Zidek zu Folge bei neu diagnostizierten Bluthochdruck-Patienten ein Urinstatus, die Bestimmung von Serum-Kreatinin- und Serum-Kalium-Wert sowie ein orientierendes Risikoprofil mit Cholesterinstatus und Nüchternblutzucker-Bestimmung zum Pflichtprogramm.

"Eine Hypertonie-Diagnostik ohne Risikofaktorprofil ist unvollständig", so Zidek. Der Grund: Das Risikoprofil gibt unter Umständen Auskunft darüber, wie aggressiv der Blutdruck gesenkt werden sollte.

Ein umfangreicheres Untersuchungsprogramm empfiehlt Zidek generell bei Hypertonikern mit einem frühen (unter 30 Jahre) oder späten (über 60 Jahre) Krankheitsbeginn. Unter Umständen ist hier das komplette Programm von Schilddrüsendiagnostik über Dexamethasontest bis Nierenarteriendoppler und Bestimmung des Aldosteron/Renin-Quotienten nötig.

Einfacher wird es, wenn bereits der Habitus Hinweis für einen Morbus Cushing oder eine Hyperthyreose ist. Wenn der Kaliumwert niedrig liegt, ist ein Morbus Conn (primärer Hyperaldosteronismus) möglich.

Doch weder ist bei jedem Patienten mit M. Conn der Kaliumwert niedrig, noch ist jeder Patient mit Hypokaliämie und Hypertonie ein Conn-Patient, wie Zidek betonte. Wesentlich häufiger sei bei der Konstellation ein Laxantien- oder Diuretika-Mißbrauch.

Ein Problem bleibt die Diagnostik der hämodynamisch relevanten Nierenarterienstenose. Wichtigster Parameter sei hier der Serum-Kreatinin-Wert, so Zidek. Ist der erhöht, oder steigt er bei ACE-Hemmer-Therapie, dann sollte genauer hingesehen werden, vor allem wenn in anderen Gefäßregionen bereits Atherosklerose-Schäden bekannt sind.

Ein Strömungsgeräusch dagegen ist wenig sensitiv und wenig spezifisch. Weil die direkten Hinweise auf eine Nierenarterienstenose rar sind, hält Zidek es für vertretbar, eine abdominelle Ultraschalluntersuchung als Teil der Basisdiagnostik bei neu entdeckter Hypertonie zu veranlassen.

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