Ärzte Zeitung, 20.07.2006

Risiko für Nierenarterien-Stenose läßt sich mit Skala einfach erfassen

Angiographie bestätigt Verdacht bei 70 Prozent der Patienten mit Hypertonie

BADEN-BADEN (skh). Etwa drei Prozent der Patienten mit Bluthochdruck haben eine einseitige Nierenarterien-Stenose. Wird diese seltene Ursache der Hypertonie jedoch übersehen, können Blutdruckmedikamente nicht richtig wirken. Eine einfache Punkteskala kann dabei helfen, abzuschätzen, ob eine Nierenarterienstenose den Bluthochdruck verursacht.

MR-Angiographie mit Nierenarterienstenose rechts (oberer Pfeil). Auch die rechte Beckenarterie ist verengt (unterer Pfeil). Foto: Dr. Susanne Ladd, Uniklinikum Essen

Für Alter, Geschlecht, Serum-Kreatinin, Cholesterinwerte, Body-Mass-Index und andere Parameter sieht das Bewertungssystem die Vergabe von Punkten vor. Maximal kann ein Patient 25 Punkte erreichen.

Eine Nierenarterien-Stenose haben mit hoher Wahrscheinlichkeit etwa die Patienten, deren Blutdruck innerhalb von kurzer Zeit stark angestiegen ist, außerdem Raucher und sehr schlanke Patienten. Zusätzlich erhärte sich der Verdacht, wenn ein abdominelles Strömungsgeräusch auskultiert werden kann, sagt Professor Manfred Anlauf, Internist und Nephrologe aus Bremerhaven.

Anlauf empfiehlt, bei Patienten, die auf der Skala mehr als 13 Punkte erreichen, zur Sicherung der Diagnose eine MR-Angiographie zu veranlassen. Schon 1998 hatten Niederländische Forscher die Punkteskala erarbeitet (Ann Intern Med 129, 1998, 705). Sie werde aber in der Praxis nur selten angewandt, so Anlauf beim MedCongress in Baden-Baden.

Die Skala war bei 1133 Hypertonikern getestet worden, deren Serum-Kreatinin bei Behandlung mit ACE-Hemmern um mindestens 0,23 mg/dl gestiegen war, oder wenn trotz Zweifachtherapie der Blutdruck nicht ausreichend eingestellt werden konnte. Bei etwa 70 Prozent der Patienten, die nach der Punkteskala mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Nierenarterienstenose hatten, konnte der Verdacht angiographisch bestätigt werden.

Mit nichtinvasiven Methoden, etwa der Nierenszintigraphie (die MR-Angiographie war 1998 noch nicht etabliert), konnten damals etwa gleich viele Patienten mit Nierenarterien-Stenose eindeutig erkannt werden, berichtete das Forscherteam. Die Punkteskala eigne sich deshalb, die Verdachtsdiagnose klinisch zu stellen und Patienten für eine konventionelle Angiographie, oder eine MRT-Angiographie der Nierengefäße auszuwählen. Stenosen der Nierenarterien können minimalinvasiv und mit Erfolg etwa durch Ballondilatation oder Stents behandelt werden.

Die Punkteskala kann in englischer Sprache im Internet eingesehen werden unter: www.annals.org/content/vol129/issue9/images/large/5TT2.jpeg

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