Ärzte Zeitung, 15.12.2006

Blutdrucksenkung allein ist noch kein Nierenschutz

Eiweißausscheidung muß gebremst werden

ESSEN (grue). Damit nierenkranke Hypertoniker und Typ-2-Diabetiker langfristig vor einer Dialyse bewahrt werden, sind zwei Maßnahmen nötig: Der Blutdruck muß gesenkt und die Eiweißausscheidung muß gebremst werden.

Daran hat Professor Eberhard Ritz von der Universität Heidelberg bei einer Veranstaltung des Unternehmens Boehringer Ingelheim in Essen erinnert. "Am wichtigsten ist dabei eine gute Blutdruckeinstellung", sagte Ritz.

Das läßt sich an der glomerulären Filtrationsrate (GFR) als Maß der Nierenfunktion festmachen: In der MDRD-Studie hatten Patienten mit einem arteriellen Mitteldruck von 107 mmHg einen jährlichen GFR-Verlust von 3,4 ml/min, bei einer besseren Blutdruckeinstellung mit einem Mitteldruck von 91 mmHg betrug der GFR-Verlust nur 1,9 ml/min pro Jahr.

    Eiweißverlust erhöht Risiko für die Dialyse unabhängig vom Blutdruck.
   

Dennoch ging bei den Patienten mit intensivierter Blutdrucksenkung das Risiko für terminale Niereninsuffizienz erst nach zwei Jahren zurück, ein Hinweis dafür, daß bei der Nephroprotektion noch andere Faktoren eine Bedeutung haben. "Denn, wenn die Patienten eine deutliche Proteinurie haben, hilft auch eine verbesserte GFR nicht viel weiter", so Ritz. Der Eiweißverlust über die Niere erhöhe das Dialyse-Risiko unabhängig von der erreichten Blutdrucksenkung. Außerdem steige damit das Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung.

In der MRFIT-Studie sind die Prädiktoren der terminalen Niereninsuffizienz bei Männern mit kardiovaskulärem Risiko genau aufgeschlüsselt worden: Bei GFR-Raten von unter 60 ml/min ist das Dialyse-Risiko nach 25 Jahren 2,4fach erhöht. Bei einer deutlichen Proteinurie ist das Risiko 16fach erhöht. Und Männer mit beiden Risiken mußten sogar 40mal häufiger mit Dialyse behandelt werden als Männer mit gesunden Nieren.

"Folglich sollten nierenkranke Hypertoniker oder solche mit diabetischer Nephropathie mit Antihypertensiva behandelt werden, die mehr können als nur den Blutdruck zu senken", sagte Ritz. Mittel der Wahl seien die Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems, also ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB).

Daß sich damit die Progression der Nephropathie aufhalten läßt, ist etwa in der DETAIL-Studie für das ARB Telmisartan (Micardis®) belegt worden. Darin war mit Telmisartan wie auch mit dem ACE-Hemmer Enalapril die Nierenfunktion langfristig zu stabilisieren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »