Ärzte Zeitung, 23.03.2007

Arzneimittelkommission kritisiert IQWiG-Vorbericht

Nur 16 Studien einbezogen / Compliance unberücksichtigt

BERLIN (eb). Die Nutzenbewertung zur antihypertensiven Therapie im Vorbericht des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sei nicht geeignet, eine rational begründete Differenzialtherapie zu erreichen. Das kritisiert die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft.

Zudem sei der Vorbericht keine Hilfe, das Interesse der Ärzte mehr der Frage zuzuwenden, wie eine bessere Qualität der Versorgung von Hypertonikern erreicht werden kann.

Die Arzneimittelkommission kritisiert: Wegen der gewählten Ein- und Ausschlusskriterien wurden nur 16 Studien berücksichtigt. Es entstehe der Eindruck, dass die Kriterien willkürlich und zum Teil nicht sinnvoll gewählt seien. Wichtige Studien seien so nicht einbezogen worden.

Nicht nur Wirkintensität und Wirksamkeit bei der Verhinderung von Krankheit und vorzeitigem Tod, sondern auch Nebenwirkungen und Wirksamkeit bei Zusatzerkrankungen seien entscheidend für die Initialtherapie. Dazu würden keine Daten präsentiert. Verträglichkeit und Compliance hingen gerade bei der Hypertonietherapie direkt zusammen.

Vor- und Nachteile der verschiedenen Wirkstoffgruppen würden nicht herausgearbeitet, Unterschiede innerhalb der Wirkstoffgruppen nicht dargestellt. Dies wäre für die Praxis hilfreich gewesen, betont die Kommission. Vier der Studien seien nicht in Europa gemacht worden.

Das Einschlusskriterium des Vorberichtes, bei einer Kombinationsbehandlung nur in Deutschland zugelassene und verfügbare Arzneimittel einzubeziehen, sollte durchgehend angewendet oder korrigiert werden. Die Arzneimittelkommission nennt einige Beispiele, wo dies nicht beachtet worden ist. Zudem fehle in der Bewertung eine wichtige leitlinienbasierte Vorgehensweise: differenzialtherapeutische Empfehlungen für eine individualisierte Therapie.

Den Vorbericht findet man hier: www.iqwig.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »