Ärzte Zeitung, 28.11.2007

Mit einem Schrittmesser kommen auch inaktive Patienten in Schwung

Effekt der gesteigerten Bewegung: Systolischer Blutdruck und BMI sinken

STANFORD (eb). Wer seine Patienten zu mehr Bewegung animieren will, sollte ihnen zu einem Schrittzähler raten. Mit den Geräten steigt die Compliance zur körperlichen Aktivität, und der BMI und der systolische Blutdrucks sinken. Das hat jetzt eine Meta-Analyse mit fast 3000 Teilnehmern belegt.

 Mit einem Schrittmesser kommen auch inaktive Patienten in Schwung

Der Schrittzähler zur Kampagne "3000 Schritte extra".

Foto: Jens Koehler/ddp

2491 Schritte mehr im Durchschnitt machten die Patienten pro Tag, die durch den Schrittzähler motiviert wurden. Das entsprach einer Zunahme von 27 Prozent im Vergleich zu Patienten, die sich mit einem Schrittmesser bewegten, ohne ihre Schritte ablesen zu können (JAMA 298, 2007, 2296). Außerdem errechneten die Forscher für die Patienten, die ihren Schrittzähler selbst beobachten konnten, eine Abnahme des BMI um 0,4 Punkte und einen Blutdruckabfall von 3,8 mmHg systolisch - innerhalb von im Mittel 18 Monaten. Die Autoren weisen daraufhin, dass eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um 2 mmHg eine Reduktion der Sterberate durch einen Schlaganfall um zehn Prozent bedeutet. Auch die Sterberate durch Gefäßerkrankungen sei um sieben Prozent gemindert.

Der BMI sank durch die vermehrte Bewegung bei Nutzen des Schrittzählers besonders stark, je älter die Patienten waren und je länger der Schrittzähler getragen wurde. Ein weiterer Faktor, der wesentlich zur Motivation beitrug: ein definiertes Tagesziel, etwa 10 000 Schritte am Tag zu gehen.

Zu diesen Ergebnissen kamen die Forscher, nachdem sie die Daten von insgesamt 2767 Teilnehmern aus 26 Studien ausgewertet hatten. Ein Einschlusskriterium für die Analyse war, dass die Patienten den Schrittzähler im Wesentlichen zu Hause tragen sollten. Von den Beteiligten waren 85 Prozent Frauen, die Dauer der Studien betrug im Mittel 18 Monate. Die meisten Teilnehmer waren zu Beginn der Studie übergewichtig - der durchschnittliche BMI lag bei 30 - und sie waren mit im Mittel 7473 Schritten am Tag eher inaktiv.

Infos zur Kampagne "3000 Schritte extra" im Web unter www.die-praevention.de/bewegung/steps/index.html

STICHWORT

3000 Schritte extra

"Jeden Tag 3000 Schritte extra" ist eine Kampagne des Gesundheitsministeriums. Mit einfachen Tipps soll zu mehr Bewegung motiviert werden. So liegen in Berlin die U-Bahn-Stationen etwa 800 Meter weit auseinander. Eine Station früher ein- oder ausgestiegen, bedeutet fast 1000 Schritte mehr. 3000 Schritte entsprechen etwa 2,4 Kilometern. In Hamburg ist dies die Entfernung von der Hafenstraße zum Wahrzeichen Michel.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »