Ärzte Zeitung online, 23.04.2009

Milchpeptide gegen Bluthochdruck? Forscher arbeiten an biofunkioneller Nahrung

DRESDEN (eb). Wissenschaftler der Technischen Universität in Dresden in Experimenten konnten - zumindest im Tierversuch - zeigen, dass spezielle Milchpeptide den Blutdruck senken. Im Versuch mit Ratten war dieser Effekt sogar ähnlich stark wie die blutdrucksenkende Wirkung der eines häufig verschriebenen ACE-Hemmers. Die Forscher wollen jetzt angereicherte Milchprodukte auch bei Menschen testen.

Milchpeptide gegen Bluthochdruck? Forscher arbeiten an biofunkioneller Nahrung

Mit Milch statt Pillen gegen Bluthochdruck? Spezielle Milchpeptide senken im Tierversuch den Blutdruck.

Foto: Matthew Bowden©www.fotolia.de

Wäre es auf der Basis dieser Vorarbeiten möglich, neue, auf natürlichen Wirkstoffen basierende Lebensmittel zu entwickeln, die hohen Blutdruck bekämpfen? Thomas Henle, Inhaber der Professur für Lebensmittelchemie an der TU Dresden, meint: "ja". In einem neuen Forschungsprojekt untersucht er gemeinsam mit seinen Kollegen Professor Andreas Deußen (Institut für Physiologie) und Professor Harald Rohm (Institut für Lebensmittel- und Bioverfahrenstechnik) die konkreten Wirkmechanismen bestimmter aus Molke gewonnener Peptide.

Die Forscher wollen die Wirksamkeit entsprechend angereicherter Milchprodukte beim Menschen testen. Langfristig streben sie an, die neu entdeckten bioaktiven Effekte individueller Peptide in Lebens- und Futtermitteln nutzbar zu machen. Ein entsprechendes Patent hat die Universität bereits angemeldet.

"Unser Ziel ist es, medikamentöse Therapien gegen zu hohen Blutdruck in einem frühen Stadium durch Lebensmittel auf natürlicher Molkebasis in bestimmtem Umfang zu ersetzen und so auch einen maßgeblichen Beitrag zu Kostensenkungen im Gesundheitssystem zu leisten", so Henle in einer Mitteilung der TU Dresden. "Unsere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass aus dem Molkenprotein alpha-Lactalbumin Peptide gewonnen werden können, die einen funktionellen Bestandteil von Lebensmitteln oder auch Nahrungsergänzungsmitteln mit blutdrucksenkender Wirkung darstellen kann.

Auch wenn wir die genauen Mechanismen noch nicht kennen, so dürfen wir aus den bisherigen Ergebnissen sogar weitergehende positive Effekte, etwa auf Herz und Gefäße, erwarten." Ein auf drei Jahre ausgelegtes Forschungsprogramm, an dem auch ein Milch- und ein Käsereiunternehmen beteiligt sind, wird nun durch die Initiative "Biomedizinische Ernährungsforschung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Bis die Peptide im technischen Maßstab für Lebensmittelfirmen verfügbar und vielleicht eine entsprechend "veredelte Molke" zur Blutdrucksenkung auf dem Markt ist, müssen sich Verbraucher also noch gedulden. Trotzdem: "Schon jetzt können wir sagen, dass fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und auch lang gereifte Käsesorten bioaktive Peptide enthalten", so der Dresdner Wissenschaftler. "Auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind: Als Teil einer gesunden Ernährung dürften diese Lebensmittel bereits jetzt die angestrebte Wirkung haben, wenn auch natürlich in geringerem Ausmaß." Wundern Sie sich also nicht, wenn die Joghurtregale in nächster Zeit spürbar leerer aussehen, die Käsetheken geplündert sind.

Volkskrankheit Bluthochdruck

In den Industrienationen hat inzwischen jeder zweite Erwachsene über 50 Jahren Bluthochdruck. Und den Zahlen nach liegt Deutschland statistisch noch vor allen anderen Ländern Europas. Allein für die Verschreibung der ACE-Hemmer gaben die Krankenkassen im Jahr 2005 rund 750 Millionen Euro aus.

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