Ärzte Zeitung, 03.06.2009

Wann interessiert das Aldosteron?

Wo eine Diagnostik auf Hyperaldosteronismus sinnvoll ist / Arzneitherapie und Op sind gleichermaßen effektiv

BERLIN (gvg). Ein primärer Hyperaldosteronismus (PHA) gilt als häufige Ursache einer sekundären Hypertonie. Nur: Wer sollte die aufwendige Diagnostik wirklich bekommen? Und nutzt die operative Therapie überhaupt?

Hypertonie kann auch sekundäre Ursachen haben.

Foto: medicalpicture

Professor Bruno Allolio von der Universitätsklinik Würzburg, der beim Praxis Update 2009 das Thema Endokrinologie abdeckte, fasste die neue Leitlinie der Endocrine Society im Update-Handbuch für Allgemeinmediziner zusammen.

"Eine Diagnostik sollte erfolgen bei Hypertonie im Stadium II oder III, bei therapierefraktärer Hypertonie sowie bei Hypertonie mit spontaner oder Diuretika-assoziierter Hypokaliämie", so Allolio. Auch ein zufällig entdeckter Tumor der Nebenniere sollte bei Hypertoniepatienten eine weiterführende Diagnostik nach sich ziehen.

Erster Schritt ist die Bestimmung des Aldosteron/Renin-Quotienten. Das ist nicht ganz unproblematisch: Aldosteron-Antagonisten müssen für vier Wochen und die meisten anderen Antihypertensiva für eine Woche abgesetzt werden. Für die überbrückende Therapie eignen sich unter anderen Verapamil, Prazosin und Hydralazin.

Bei positivem Screening-Test folgt ein Bestätigungstest, und auch der ist aufwendig. Dem liegenden Patienten werden über vier Stunden zwei Liter 0,9-prozentige NaCl-Lösung infundiert. Ein Plasmaaldosteron von kleiner 5 ng/dl nach vier Stunden schließt einen PHA aus. Ein Wert größer 10 ng/dl macht die Diagnose dagegen hoch wahrscheinlich. Erst wenn der Bestätigungstest positiv ist, folgt die CT-Bildgebung. Vor einer Op ist außerdem eine selektive Katheterisierung der Nebennierenvenen in einem spezialisierten Zentrum erforderlich.

Dass der ganze Aufwand lohnen kann, zeigte kürzlich eine italienische Studie, bei der 54 Patienten mit PHA prospektiv über sieben Jahre beobachtet wurden. Eine effektive Therapie reduzierte die anfangs fast fünffach erhöhte Prävalenz kardiovaskulärer Ereignisse in der PHA-Gruppe auf das Niveau einer Kontrollgruppe mit essenzieller Hypertonie. Aber: Die medikamentöse Therapie mit Spironolacton war in dieser Hinsicht genauso effektiv wie die Operation.

Praxis Handbuch

Das Handbuch zum Praxis Update kann für 149,- Euro über den Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-642-00699-9). Termine und Anmeldung für das Praxis Update 2010 im Internet unter: www.praxis-update.com

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