Ärzte Zeitung online, 30.03.2010

Ein bisschen dunkle Schokolade täglich schützt vor Herzinfarkt und Schlaganfall

POTSDAM-REHBRÜCKE (eb). Der tägliche Verzehr eines Stückchens Schokolade kann das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten wie Schlaganfall senken. Der Effekt ist zum Teil auf eine blutdrucksenkende Wirkung der Schokolade zurückzuführen.

Ein bisschen dunkle Schokolade täglich schützt vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Je dunkler, desto besser - und vor allem nicht zuviel! Dann schützt Schokolade Herz und Gehirn. © sk_design / fotolia.com

Das ergeben Daten der Potsdamer Langzeitstudie EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) mit rund 20 000 Teilnehmern.

Der in dunkler Schokolade enthaltene Kakao enthält viele Flavanole, die sich günstig auf die Elastizität der Blutgefäße und den Blutdruck auswirken. Das haben in den letzten Jahren verschiedene klinische Kurzzeitstudien belegen können. Ergebnisse aus Langzeitstudien gab es aber kaum.

In der aktuellen Studie wurden die Patienten durchschnittlich acht Jahre nachbeobachtet. 166 Studienteilnehmer erlitten einen Herzinfarkt, 24 starben daran. Weitere 136 Teilnehmer bekamen einen Schlaganfall, der in 12 Fällen tödlich war.

In der Gruppe mit dem höchsten Schokoladenkonsum war das Risiko von Herzinfarkten im Vergleich zur Gruppe mit dem niedrigsten Schokoladenkonsum um 27 Prozent vermindert; das Risiko von Schlaganfällen fast um die Hälfte. Das stellten die Forscher vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) bei der Auswertung der Daten fest (European Heart Journal, online vorab).

"Schokolade ist für ihren blutdrucksenkenden Effekt bekannt. Da ein hoher Blutdruck für Schlaganfälle ein stärkerer Risikofaktor ist als für Herzinfarkte, haben wir erwartetet, dass der Schokoladenverzehr auch stärker mit einem verminderten Schlaganfallrisiko verbunden ist. Genau dies haben wir in den Studiendaten gesehen", sagt Dr. Brian Buijsse, Erstautor der Studie.

Bei der Schokolade gilt: je dunkler, desto besser

In der aktuellen Studie hatten die Menschen mit dem höchsten Schokoladenverzehr zwar einen niedrigeren Blutdruck als die Personen mit dem geringsten Schokoladenverzehr (minus 1 mmHg systolisch und 0,9 mmHg diastolisch). Allerdings war der Blutdruckunterschied weniger stark ausgeprägt als in anderen Studien.

Ein Grund für die relativ geringe Blutdrucksenkung könne die Vorliebe der meisten Studienteilnehmer für Vollmilchschokolade sein, so Buijsse. Denn Vollmilchschokolade hat einen geringeren Kakaoanteil als Bitterschokolade und somit auch einen geringeren Anteil an blutdrucksenkenden Flavanolen.

Rechnet man die Ergebnisse hoch, bekamen in der Gruppe mit geringem Schokoladenkonsum (durchschnittlich 1,7 Gramm täglich) 219 pro 10 000 Menschen einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Würde diese Testgruppe ihren Schokoladenverbrauch um sechs Gramm pro Tag steigern, ließe sich die Anzahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen innerhalb von zehn Jahren um 85 verringern, so Buijsse.

Allerdings seien die neuen Studienergebnisse kein Freibrief für einen ungehemmten Schokoladenverzehr, so die Forscher. Schokolade in großen Mengen konsumiert macht dick und ist damit ungesund. Geringe Mengen Schokolade können dagegen die kardiovaskuläre Gesundheit verbessern. Dabei sind besonders Schokoladen mit einem hohen Kakaoanteil, der eigentlichen Wirksubstanz, zu empfehlen.

Stichwort Potsdamer EPIC-Studie

Die Potsdamer EPIC-Studie ist Teil der Gesamt-EPIC-Studie. Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519 000 Studienteilnehmern beteiligt.

Bei der Auswertung der Daten einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die Teilnehmer zu Beginn der Studie noch nicht die zu untersuchende Krankheit haben. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann - ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien.

Zum Abstract der Studie "Chocolate consumption in relation to blood pressure and risk of cardiovascular disease in German adults"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »