Ärzte Zeitung online, 18.05.2010

Großstadtluft treibt Blutdruck in die Höhe

NEW ORLEANS (ob). Die mit Feinstaub stark belastete Luft in städtischen Ballungsgebieten trägt anscheinend dazu bei, dass sich der Blutdruck ihrer Bewohner erhöht. Belege dafür haben deutsche Forscher jetzt bei einem Kongress in New Orleans vorgelegt.

Großstadtluft treibt Blutdruck in die Höhe

Die Skyline von Shanghai im Dunst: Bei erhöhter Feinstaubkonzentration ist auch der Blutdruck der Shanghaier erhöht. © imago/blickwinkel

An der These, dass zwischen der Luftbelastung mit Feinstaubpartikeln etwa aus Brennstoffen und dem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen ein direkter Zusammenhang besteht, ist kaum noch zu rütteln. In diesen Tagen hat die amerikanischen Kardiologen-Fachgesellschaft AHA eine 48-seitigen Bericht veröffentlicht, der den aktuellen Stand der Forschung in dieser Frage widerspiegelt (Circulation 2010; 121: 2331).

Nach Meinung der Verfasser lässt die inzwischen vorhandene Gesamtmenge an Studiendaten den Schluss zu, dass eine "kausale Beziehung zwischen Feinstaubbelastung und kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität" besteht.

Bekannt ist, dass hohe Feinstaubkonzentrationen in der Luft als "Trigger" kardiovaskuläre Akutereignisse, wie etwa einen Herzinfarkt, auslösen können. Wie aber tragen die eingeatmeten Staubpartikel zur Entwicklung chronischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei?

Hinweise auf einen möglichen Mechanismus geben aktuell bei Kongress der American Thoracic Society in New Orleans vorgestellte epidemiologische Studiendaten einer deutschen Forschergruppe. Das Team um Dr. Barbara Hoffmann hat in seiner Studie die Daten von 4352 Bewohnern der Region Bochum, Mühlheim/Ruhr und Essen ausgewertet, die Teilnehmer an der "Heinz Nixdorf Recall Study" sind.

Analysiert wurden die Blutdruckwerte dieser Personen in Abhängigkeit von der Langzeitbelastung mit Feinstaubpartikeln am Wohnort. Berücksichtigt wurde dabei die Belastung sowohl mit groben Partikeln (kleiner als 10 μm) als auch mit alveolengängigen feinen Partikeln (kleiner als 2,5 μm).

Die Untersucher stießen dabei auf eine Assoziation von gradueller Feinstaubbelastung in der Luft und Höhe des Blutdrucks: Mit jeder Zunahme der Konzentration an feinen Partikeln um 2,4 μg/m3 erhöhte sich der systolische Blutdruck im Mittel um 1,7 mmHg und der diastolische Druck um 0,8 mmHg. Bei groben Partikel war die Assoziation mit dem Blutdruck ähnlich. Bei Frauen war der Blutdruckanstieg stärker ausgeprägt als bei Männern.

Zu denken gibt, dass der Zusammenhang zwischen Luftbelastung und Blutdruck schon unterhalb der heute gültigen Grenzwerte zu erkennen war. Seit Anfang des Jahres 2005 gelten zum Schutz der menschlichen Gesundheit als EU-Grenzwerte für Feinstaub (grobe Partikel) ein Jahresmittelwert von 40 μg/m3 und ein Tagesmittelwert von 50 μg/m3, der bis zu 35 Mal im Jahr überschritten werden darf.

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