Ärzte Zeitung online, 11.02.2011

Blutdrucksenkung: Bei Frauen ist viel zu gewinnen

LEIDEN (ob). Blutdrucksenkung beugt Schlaganfällen und Herzinfarkten vor. Anscheinend ist das "präventive Potenzial" antihypertensiver Maßnahmen bei Frauen aber größer als Männern.

Blutdrucksenkung: Bei Frauen ist viel zu gewinnen

Blutdruckmessung bei einer weiblichen Patienten: Eine antihypertensive Therapie verringt bei ihnen mehr kardiovaskuläre Ereignisse als bei Männern.

© Kzenon / fotolia.com

Bei gleicher Blutdrucksenkung lassen sich bei Frauen mehr kardiovaskuläre Ereignisse verhindern als bei Männern. Zu diesem Schluss gelangt eine internationale Forschergruppe um Professor Jan Staessen aus Leiden in Belgien (Hypertension 2011; online).

Die Gruppe hat in einer internationalen Datenbank (IDACO) prospektiv erhobene Daten von 9357 Personen gesammelt und ausgewertet. Innerhalb einer Beobachtungszeit von 11,2 Jahren starben 1245 Studienteilnehmer, davon 472 an kardiovaskulären Erkrankungen.

Bei ihrer Risikoberechnung kalkulierten die Untersucher die geschlechtsspezifische Assoziation zwischen systolischem 24-Stunden-Blutdruck und der Häufigkeit kardiovaskulärer Komplikationen. Absolut betrachtet hatten Frauen aufgrund einer niedrigeren Prävalenz von Risikofaktoren ein niedrigeres kardiovaskuläres Risiko als Männer.

Mit Blick auf den systolischen Blutdruck war die Assoziation mit kardiovaskulären Ereignissen und der Mortalität allerdings enger als bei Männern. Umgekehrt folgt daraus: Bei gleicher Blutdrucksenkung ist der Anteil potenziell verhinderbarer kardiovaskulärer Ereignisse bei Frauen größer als bei Männern.

Sinkt der Blutdruck um eine Standardabweichung (- 13,4 mmHg) lassen sich bei Frauen 35,9 Prozent und bei Männern 24,2 Prozent aller kardiovaskulären Ereignisse verhindern, errechneten die Autoren auf Basis ihrer Daten.

Auch bei Todesfällen (23,1 versus 12,3 Prozent) sowie zerebrovaskulären (38,3 versus 25,9 Prozent) und kardialen Ereignissen (31,0 versus 16,0 Prozent) waren nach dieser Berechnung Frauen im Vorteil bei der erreichbaren präventiven Wirkung.

Die Tatsache, dass das absolute Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Frauen niedriger ist als bei Männern, sollte nicht dazu führen, die Blutdrucksenkung bei ihnen auf die leichte Schulter zu nehmen, warnen die Studienautoren.

Im Gegenteil: Nach den neuen Daten geben es bei Frauen ein "enormes Potenzial" für die kardiovaskuläre Prävention durch Blutdrucksenkung, das noch nicht voll genutzt werde

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