Ärzte Zeitung online, 04.04.2011

Oft nur eine Täuschung: Therapieresistenz bei Bluthochdruck

Zeigt sich der Blutdruck eines Hypertonikers trotz Einnahme von drei und mehr Antihypertensiva notorisch erhöht, sollte nicht vorschnell auf "Therapieresistenz" geschlossen werden. Denn oft führt eine Langzeit-Blutdruckmessung zu einer anderen Erklärung.

Oft nur eine Täuschung: Therapieresistenz bei Bluthochdruck

Achtung Weißkittel-Hypertonie! Manche Patienten reagieren mit Hochdruck, wenn in der Praxis oder Klinik gemessen wird.

© ArTo / fotolia.com

BARCELONA (ob). Häufig handelt es sich bei einem vermeintlich therapieresistenten Bluthochdruck in Wirklichkeit um eine "Weißkittel-Hypertonie", die nur bei der Blutdruckmessung in der Klinik oder Praxis in Erscheinung tritt.

Dieses nicht ganz unbekannte Phänomen ist jetzt in einer großen spanischen Studie auf breiter Basis bestätigt worden (Hypertension 2011; online). Nach ihren Ergebnissen ist bei mehr als einem Drittel aller "resistenten" Hypertonien ein "Weißkittel-Effekt" im Spiel.

In dieser Studie hat eine Forschergruppe um Dr. Alejandro de la Sierra aus Barcelona die im normalen Praxisalltag erhobenen und in einem Register erfassten Blutdruckdaten von 68 045 Patienten mit Bluthochdruck analysiert.

Unter ihnen waren 8295 Patienten (12,2 Prozent), deren Hypertonie nach den gängigen Kriterien als therapieresistent klassifiziert wurde (Blutdruck in der Praxis ≥ 140/90 mmHg trotz Behandlung mit ≥ drei Antihypertensiva, darunter ein Diuretikum).

Nach ambulanter Langzeit-Blutdruckmessung stellte sich die hartnäckige Blutdruckerhöhung bei 62,5 Prozent von ihnen echte Therapieresistenz heraus. Bei 37,5 Prozent aller Patienten deckte dagegen die ambulante Langzeitmessung aufgrund von weitgehend normalen Blutdruckwerten eine Weißkittel- oder Praxis-Hypertonie auf.

Patienten mit resistenter Hypertonie hatten zwar ein ungünstigeres Risikofaktor-Profil als Patienten mit Praxis-Hypertonie. Der Unterschied im klinischen Risikoprofil sei allerdings nicht hinreichend, um anhand dieses Kriteriums eine korrekte Unterscheidung zwischen echter und falscher Therapieresistenz vorzunehmen zu können, so die Autoren. An der ambulanten Langzeit-Blutdruckmessung führt deshalb nach ihrer Ansicht kein Weg vorbei.

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