Ärzte Zeitung, 28.07.2014

Betablocker im Visier

Bei Hypertonie steigt das Risiko für Psoriasis

Bluthochdruck wirkt sich laut einer Studie längerfristig wohl auch auf die Haut aus: Das Risiko für Schuppenflechte steigt.

RHODE ISLAND. Schuppenflechte und Bluthochdruck sollen zusammenhängen? Zunächst scheint das nicht gerade naheliegend; doch eine Psoriasis betrifft nicht nur die Haut und die Hypertonie nicht nur die Gefäße.

Bereits frühere Untersuchungen weisen darauf hin, dass Patienten mit Psoriasis dazu neigen, einen Bluthochdruck zu entwickeln. Der umgekehrte Zusammenhang, also dass Bluthochdruck die Entwicklung einer Schuppenflechte fördert, scheint somit nicht abwegig.

Nun konnten Dr. Shaowei Wu von der Brown University in Rhode Island und Kollegen die Hypothese durch eine prospektive Studie stützen (JAMA Dermatology 2014; online 2. Juli).

Danach war das Risiko für Frauen mit Bluthochdruck höher als für normotensive Frauen. Allerdings war dieser Zusammenhang nach Adjustierung nur bei einer Hypertonie-Dauer von sechs Jahren signifikant: Das Risiko war dann um 27 Prozent erhöht. Schaut man genauer hin, waren sowohl Frauen mit Bluthochdruck gefährdet, die nie und solche, die aktuell antihypertensive Medikamente erhielten.

Generell stehen einige Antihypertensiva unter Verdacht, die Entwicklung einer Psoriasis fördern oder verschlimmern zu können. Diese Mutmaßung konnte in der Studie aber nur für Betablocker untermauert werden: Frauen, die sechs Jahre oder länger regelmäßig Betablocker nahmen, hatten ein um 39 Prozent höheres Risiko, eine Psoriasis zu entwickeln, als Frauen, die nie Betablocker bekamen.

Somit sei es naheliegend, dass das höhere Risiko bei antihypertensiver Medikation aus der Gabe von Betablockern resultiere, so die Autoren.

Für ihre Analyse suchten sie unter den 77.727 Teilnehmerinnen der Nurses‘ Health Study (1996 bis 2008) nach solchen, die eine Psoriasis diagnostiziert bekamen. Sie dokumentierten 843 Fälle während 1.066.339 Personenjahren.

Nach Ansicht der Autoren sprechen die Ergebnisse dafür, dass eine Hypertonie sowie eine antihypertensive Medikation mit der Entwicklung einer Psoriasis assoziiert sein könnten. Sie erklären sich diesen Zusammenhang damit, dass bei beiden Erkrankungen inflammatorische Prozesse eine Rolle spielen.

Dass der Zusammenhang erst nach sechsjähriger Hypertoniedauer sichtbar wird, passt zu dieser Erklärung. Denn je länger der Bluthochdruck andauert, desto höher sind die Konzentrationen an oxidativem Stress und Entzündungsmediatoren; diese verstärkte Entzündung wiederum könnte die Betroffenen anfälliger dafür machen, eine Schuppenflechte zu entwickeln.

Der exakte zugrundeliegende Mechanismus müsste jedoch erst in weiteren Untersuchungen geklärt werden, merken die Autoren an.In der Praxis könnte ein spezielles Psoriasis-Screening besonders bei Patienten mit länger andauernder Hypertonie und begleitender antihypertensiver Behandlung sinnvoll sein, schlussfolgern die Autoren. (vsc)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »