Ärzte Zeitung online, 16.02.2017

Experte gibt Tipps

Saunieren mit Hypertonie – so geht`s!

Wenn die Bedingungen stimmen, ist ein Saunagang für Hypertoniker kein Problem – und hat auch einen gesundheitlichen Nutzen.

Saunieren mit Hypertonie – so geht`s!

Bei Vorerkrankungen sollten Patienten generell vor dem Saunabesuch einen Arzt fragen.

© Ivonne Wierink-vanWetten / Getty Images / iStock

HEIDELBERG. Viele Menschen mit Hypertonie sind verunsichert, ob sie in die Sauna gehen dürfen. Ein Experte der Deutschen Hochdruckliga (DHL) erklärt, was Patienten beachten sollten.

"Wer sich lange nicht mehr körperlich belastet oder Sport getrieben hat, sollte ebenso wie Patienten mit Vorerkrankungen vor dem ersten Saunabesuch seinen Arzt hinzuziehen", rät Professor Reinhard Ketelhut, Sportwissenschaftler und Sportmediziner am Medical Center Berlin in der DHL-Mitteilung. Dieser solle ein Belastungs-EKG durchführen, um eine Hypoxie des Herzens auszuschließen.

"Ein Kriterium hierfür ist eine beschwerdefreie Belastbarkeit von mindestens 1 Watt/kg Körpergewicht." Wer hohen Blutdruck habe, für den gelte: Der Blutdruck soll nicht nur in Ruhe, sondern auch unter Belastung gut eingestellt sein. "Bei 20 bis 50-jährigen Frauen und Männern sollte er bei 100 Watt einen Wert von 200/100 mmHg nicht überschreiten", betont der Experte.

Einsteiger langsam beginnen

Wer mit gut eingestelltem Bluthochdruck regelmäßig saunieren wolle, sollte aber noch weitere Dinge beachten. Zum einen sollten Einsteiger langsam beginnen und sich langsam steigern. In der typischen finnischen Sauna herrschen Temperaturen von 80 bis zu 100 Grad Celsius bei nahezu null Prozent Luftfeuchtigkeit. Für den Anfang sind Bio- oder Dampfsaunen mit 45 und 60 Grad Celsius bei höherer Luftfeuchtigkeit ratsam.

Auch die Verweildauer sollte zu Beginn nur etwa drei bis fünf Minuten betragen und bei guter Verträglichkeit langsam gesteigert werden. Zum anderen sollten Hypertoniker eine radikale Abkühlung nach dem Saunagang im Eisbecken oder der kalten Dusche vermeiden. "Dies könnte eine Engstellung der Gefäße und dadurch einen stärkeren Blutdruckanstieg verursachen", erklärt Ketelhut. Diese Veränderungen könnten bei Menschen mit Herzkranzgefäß-Erkrankungen Herzbeschwerden hervorrufen.

Ratsam sei ein langsames, kontrolliertes und stressfreies Abkühlen an der Luft oder durch lauwarmes Wasser sowie eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten nach jedem Saunagang.

Der Blutdruck ist in der Ruhephase nach der Sauna noch deutlich niedriger als vor dem Saunabesuch. Für die Blutdrucksenkung ist sicherlich zum Teil ein Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen verantwortlich.

Studien haben aber ergeben, dass bei regelmäßigem Saunieren eine dauerhaft günstige Wirkung auf die Blutdruckregulation zu erwarten sei, die nicht allein durch den Flüssigkeitsverlust zu erklären ist, heißt es weiter. So wurde der Blutdruck bei Hypertonikern bei zweimal wöchentlichem Saunabesuch von 166/101 mmHg nach drei Monaten auf 143/92 mmHg und somit um 23 mmHg systolisch und 9 mmHg diastolisch gesenkt.

Bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen konnte eine vergleichbare Blutdrucksenkung von 162/110 mmHg auf 139/92 mmHg erzielt werden, was dann sogar noch nach drei Jahren nachweisbar war. Als wesentlicher Faktor für die Blutdrucksenkung durch Saunieren wird eine funktionelle Verbesserung des Endothels angenommen, wie sie auch regelmäßiges Ausdauertraining mit sich bringt. Aber auch die Regulation der Stresshormone kann durch regelmäßige Saunagänge günstig beeinflusst werden.

Zu Faktoren, die gegen einen Saunabesuch sprechen, zählen ein schlecht eingestellter Hypertonus oder wiederholte Blutdruckkrisen, akute Herzschwäche, instabile Angina Pectoris und Herzerkrankungen, bei denen starke Belastungen vermieden werden sollten. (eb)

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