Ärzte Zeitung online, 11.05.2017
 

Hyperaldosteronismus

"Tausende Hypertoniker wären heilbar"

Hyperaldosteronismus ist die Ursache von sechs Prozent aller Hypertonie-Fälle, ergab eine Studie.

MAINZ. "Bei sechs Prozent der Hypertoniker findet sich eine Mehrsekretion des Blutdruckhormons Aldosteron", wird Professor Martin Reincke in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) zitiert. Der Präsident der Fachgesellschaft weist dabei auf eine Studie in italienischen Hausarztpraxen hin.

In der Studie wurden Daten der prospektiven PATO-Studie (Primary Aldosteronism in Torino) aus neun Hausarztpraxen zu Hyperaldosteronismus (synonym: Conn-Syndrom) analysiert. Von den 1672 Teilnehmern hatten 569 eine neu manifestierte und 1103 eine bereits bekannte Hypertonie. Sie wurden zwischen 2009 und 2014 leitliniengerecht auf Hyperaldosteronismus untersucht (J Am Coll Cardiol 2017; online 14. April). Bei auffälligem Hormonstatus erfolgte eine weitere Diagnostik in Form von Bestätigungstests, Bildgebung und Katheterisierung der Nebennierenvenen. 99 Patienten (5,9 Prozent) hatten am Ende ein gesichertes Conn-Syndrom, davon 27 mit Aldosteron-produzierendem Adenom und 64 mit beidseitiger Hyperplasie der Nebennieren.

Reincke erwähnt ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie: "Die Conn-Wahrscheinlichkeit stieg mit zunehmendem Hypertoniegrad an." So wurde bei 11,8 Prozent der Patienten mit Hypertonie-Grad 3 (≥180/110 mm Hg), ein Conn-Syndrom festgestellt, bei Grad 1 (≥140/90 mm Hg) waren es 3,9 Prozent und 9,7 Prozent bei Grad 2 (≥160/100 mm Hg).

Nach Ansicht der DGE hätten daher viele Tausend Patienten in Deutschland durch eine Operation oder eine medikamentöse Therapie eine gute Chance, ihren hormonell bedingten Bluthochdruck in den Griff zu bekommen. "Für uns ergibt sich daraus die Forderung, dass alle Hypertoniker zumindest einmal untersucht werden sollten, ob ein Conn-Syndrom vorliegt", betont der DGE-Mediensprecher und Leiter der Endokrinologie und Diabetologie der Universitätsmedizin Mainz, Professor Matthias M. Weber in der Mitteilung. (eb)

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