Ärzte Zeitung online, 04.10.2017
 

Daten aus der SPRINT-Studie

Intensive Blutdrucksenkung schützt, trotz Dämpfers für die Nierenfunktion

Durch intensive Blutdrucksenkung verschlechtert sich zwar bei zunächst Nierengesunden die renale Funktion. Doch die Therapie wirkt sich auf Sterberate und kardiovaskuläre Ereignisse zumindest kurzfristig günstig aus. Dies lässt eine weitere Auswertung der SPRINT-Studie vermuten.

Von Peter Leiner

Intensive Blutdrucksenkung schützt, trotz Dämpfers für die Nierenfunktion

Eine intensive Blutdrucksenkung reduzierte das Risiko für KHK-Ereignisse um 1,8 Prozent.

© Anna Leopolder / panthermedia.net

SALT LAKE CITY. In der vorzeitig wegen des Vorteils einer intensiven Blutdrucksenkung beendeten SPRINT-Studie (Systolic Blood Pressure Intervention Trial) hatten nierengesunde Studienteilnehmer durch die Senkung des systolischen Blutdrucks auf unter 120 statt unter 140 mmHg ein 3,5-fach erhöhtes Risiko für Anzeichen einer chronischen Nierenerkrankung. Definiert war diese als Verminderung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) um mindestens 30 Prozent auf unter 60 ml/min/1,73 m2.

In der Subgruppenanalyse der SPRINT-Studie überprüften Dr. Srinivasan Beddhu von der University of Utah School of Medicine in Salt Lake City und seine Kollegen den Effekt der intensiven blutdrucksenkenden Therapie auf die Nieren- und kardiovaskuläre Funktion (Ann Intern Med 2017; online 4. September).

Daten von 6700 Teilnehmern

Basis der Untersuchung waren die Daten von fast 6700 Studienteilnehmern mit einer Ausgangs-eGFR von mindestens 60 ml/min/1,73 m2, die intensiv oder standardmäßig antihypertensiv behandelt wurden. Das waren mehr als 70 Prozent aller SPRINT-Teilnehmer. Das mediane Follow-up lag bei 3,3 Jahren.

Die Auswertung der Daten ergab, dass 140 der 3326 Patienten (4,2 Prozent) mit intensiver Blutdrucksenkung und 40 der 3336 Patienten (1,1 Prozent) in der Standardtherapiegruppe eine Einschränkung der Nierenfunktion entwickelt hatten. Das entspricht 1,33 versus 0,37 Ereignisse pro 100 Personenjahre. Im Vergleich zur Standardtherapie hatten die Patienten mit intensiver Blutdrucksenkung ein erhöhtes Risiko für eine eingeschränkte Nierenfunktion (Hazard Ratio [HR]: 3,54; 95%-Konfidenzintervall zwischen 2,50 und 5,02; p < 0,001).

Bei keinem Patienten entwickelte sich nach Angaben der Wissenschaftler eine Nierenerkrankung im Endstadium. Und: 25,7 Prozent der Patienten mit Intensivtherapie und anfänglichen Zeichen einer Nierenfunktionseinschränkung erholten sich im Verlauf der Studie wieder. Nicht zuletzt blieb der Unterschied bei den eGFR-Werten zwischen den beiden Patientengruppen ab 18 Monaten blutdrucksenkender Therapie vergleichsweise stabil.

Vorteil bei KHK-Ereignissen

Der Vorteil der intensiven Blutdrucksenkung spiegelt sich jedoch bei den Parametern KHK-Ereignisse und Gesamtmortalität wider. Denn bei Kombination dieser Parameter wurde während des Follow-up durch die intensive Therapie das absolute Risiko um 2,2 Prozent gesenkt, beim Parameter primäre KHK-Ereignisse um 1,8 Prozent und beim Parameter Gesamtmortalität um 0,9 Prozent. Unklar sei, welche Langzeitkonsequenzen die Einschränkung der Nierenfunktion durch die antihypertensive Behandlung mit dem Ziel < 120 mmHg systolischer Blutdruck habe, geben die Forscher zu bedenken.

26% der Patienten mit intensiver Blutdrucksenkung und anfänglichen Zeichen einer Nierenfunktionseinschränkung erholten sich im Verlauf der Studie wieder.

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