Ärzte Zeitung online, 19.06.2018

Studie

Diese Akuttherapie lässt Hypertoniker Berge erklimmen

Wenn Hypertoniker sich im Gebirge in großen Höhen bewegen, steigt ihr Blutdruck viel stärker an als bei ähnlicher Belastung auf Meeresspiegel-Niveau. Eine Akuttherapie kann dagegen helfen, berichten Ärzte aus Italien.

Von Veronika Schlimpert

Diese Akuttherapie lässt Hypertoniker Berge erklimmen

Trekking auf über 3000 Meter ist auch bei milder Hypertonie eine Belastung.

© Stefan Auth / imageBROKER / mauritius images

MAILAND. Stark steigender Blutdruck in extremen Höhen lässt sich offenbar wirksam mit einer antihypertensiven Akuttherapie vermeiden. Das berichten Wissenschaftler um Dr. Sergio Caravita vom "S. Luca Hospital IRCCS Istituto Auxologico Italiano" in Mailand.

Die Forscher haben in der HIGHCARE-ANDES-Studie 56 Probanden mit Grad-I-Hypertonie mehrmals verschiedenen Belastungen ausgesetzt. Die erste Testreihe fand in der peruanischen Hauptstadt Lima auf Höhe des Meeresspiegels statt, das zweite Test-Set in der Andenstadt Huancayo, die sich auf 3260 Metern Höhe befindet.

Die Probanden erhielten zudem nach dem Zufallsprinzip entweder eine Kombinationstherapie mit dem Kalziumkanalblocker Nifedipin (30 mg) plus dem Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker Telmisartan (80 mg) oder Placebos (J Am Heart Ass. 2018; 7: e008506).

Wie zu erwarten war, stieg der Blutdruck der Teilnehmer in der Höhe bereits in Ruhe geringfügig an (im Mittel um 6/3 mmHg systolisch/diastolisch). Bei Belastung war der Blutdruckanstieg in der Höhe allerdings deutlich ausgeprägter als auf Meereshöhe. Ursache des größeren Anstiegs ist die belastungsbedingte Zunahme der Sauerstoffkapazität (VO2).

Milde Hypertoniker schon unter Druck

Konkret bedeutet das: Wenn sich ein Patient mit milder Hypertonie in extremen Höhen etwas bewegt, steigt sein Blutdruck im Schnitt etwa 10 mmHg höher an als bei derselben Belastung auf Meeresspiegelhöhe. Mit zunehmender Belastung wird dieser Unterschied immer größerer: Bei VO2 von 20 ml/kg pro Minute liegt der Blutdruck etwa 16 mmHg höher als auf Meereshöhe.

Ein hoher Blutdruck bei Anstrengungen in Höhenlagen scheine bei Hypertonikern somit keine physiologische Anpassungsreaktion auf das reduzierte Sauerstoffangebot zu sein, resümieren Caravita und Kollegen.

"Die Überreaktion des Blutdrucks könnte eine Konsequenz der höheninduzierten Reflexaktivierung sein", vermuten Caravita und Kollegen. Der mit zunehmender Höhe sinkende Sauerstoffpartialdruck führe dabei über eine Aktivierung von peripheren Chemorezeptoren zu einer reflektorischen Konstriktion der Widerstandsgefäße und damit zu einer Erhöhung des Blutdruckes.

Nifedipin/Telmisartan hilft

Eine Akuttherapie mit Nifedipin/Telmisartan konnte das Verhältnis von Blutdruck und Sauerstoffaufnahme um 26 mmHg nach unten verschieben, wenngleich die Behandlung die bei Belastung zu beobachtende hypoxiebedingte Überreaktion des Blutdrucks nicht völlig ausgleichen konnte.

Darüber hinaus führte die Kombinationstherapie im Muskel zu einer effizienteren Sauerstoffaufnahme und -verwertung (VO2-Leistung steigt), vermutlich als Reaktion auf die akute Blutdrucksenkung. Die Leistungsfähigkeit der Probanden verbesserte sich dadurch allerdings nicht, sie verschlechterte sich aber auch nicht, wie es bei anderen Antihypertensiva wie Betablockern manchmal zu beobachten ist.

Da die Probanden in der aktuellen Studie alle an einer Hypertonie Grad I litten (140–159 mmHg systolisch, 90–99 mmHg diastolisch) litten, kann das Ergebnis nicht auf Patienten mit schweren Hypertonieformen übertragen werden.

Weitere Informationen zur Kardiologie unter www.kardiologie.org

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