Ärzte Zeitung, 13.07.2007

Sommerakademie 2007

Besserer Gefäßschutz durch hohe HDL-Werte

Retardierte Nikotinsäure und Fibrate erhöhen HDL-Cholesterin / Nikotinsäure plus Statin stoppt Atherosklerose

Auch niedrige HDL-Werte erhöhen das kardiovaskuläre Risiko. So sollte der HDL-Spiegel nach Empfehlungen der Lipid-Liga bei Männern mindestens 40 mg/dl (1,03 mmol/l) betragen, bei Frauen mindestens 45 mg/dl (1,16 mmol/l). Retardierte Nikotinsäure und Fibrate erhöhen das HDL-Cholesterin.

Es kommt nicht nur auf das LDL an: Das Cholesterin-bedingte Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ist bei einem LDL-Wert von 100 mg/dl etwa gleich groß wie bei einem LDL-Wert von 220 mg/dl, wenn der HDL-Wert im ersten Fall 45 mg/dl und im zweiten Fall 65 mg/dl beträgt, so der Kardiologe Professor Jörg Kreuzer aus Limburg.

Und: Eine Erhöhung des HDL-Wertes um 1 mg/dl verringert das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um etwa zwei bis drei Prozent. Darauf deuten etwa Daten einer Studie bei über 2500 Männern mit KHK und niedrigen HDL-Werten. Sie wurden fünf Jahre lang mit Gemfibrozil (erhältlich als Gevilon®, Gemfi) oder Placebo behandelt. Der HDL-Wert stieg mit dem Fibrat um etwa sechs Prozent, die Rate kardiovaskulärer Ereignisse war um 22 Prozent reduziert (17,3 Prozent versus 21,7 mit Placebo).

Eine HDL-Erhöhung um 15 bis 30 Prozent ist mit retardierter Nikotinsäure (Niaspan®) möglich. Nikotinsäure kann auch gut mit Statinen kombiniert werden.

Eine Kommission europäischer Lipidexperten empfiehlt Patienten mit kardiovaskulären Krankheiten und Statin-Therapie die zusätzliche Behandlung mit Nikotinsäure, wenn der HDL-Wert permanent zu niedrig ist und wenn das Zehnjahresrisiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall trotz guter LDL-Werte über fünf Prozent liegt.

Dass sich mit einer solchen Kombitherapie die Atherosklerose reduzieren lässt, hat eine Untersuchung mit knapp 150 KHK-Patienten ergeben. Darin erhielt ein Teil der Patienten zwei Jahre lang zusätzlich zu einem Statin Nikotinsäure, der andere Teil zunächst Placebo und nach einem Jahr dann Nikotinsäure. Nach zwei Jahren Kombitherapie hatte die Intima-Media-Dicke der Karotis im Schnitt um 44 µm abgenommen.

Wie stark sich damit das kardiovaskuläre Risiko reduzieren lässt, wird derzeit in einer Endpunktstudie mit 3300 Patienten geklärt. Die Patienten erhalten sechs Jahre lang entweder Nikotinsäure plus Simvastatin oder nur den CSE-Hemmer. (mut)

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