Ärzte Zeitung, 20.07.2007
 
Sommerakademie 2007

Neues zur Sekundärprävention bei Apoplexie

Therapiert wird je nach Risiko / Statine gehören zur Sekundärprophylaxe / Sartane und ACE-Hemmer haben Vorteile

Die Leitlinien zur Sekundärprävention der zerebralen Ischämie sind aufgrund neuer Studienergebnisse aktualisiert worden. Änderungen der Empfehlungen hat es dabei nicht gegeben, die neuen Studien zeigen aber interessante Therapieoptionen für die Zukunft auf. So kann etwa die Therapie mit einem Statin, einem AT1-Blocker oder auch Ramipril Reinsulte verhindern.

Für den Praxisalltag gilt weiterhin: Die Therapie richtet sich nach dem Risikoprofil der Patienten. Das jährliche Reinsult-Risiko kann dabei mit dem Essen-Risiko-Score anhand einfacher Parameter wie Alter und Bluthochdruck bestimmt werden.

Patienten mit einem jährlichen Schlaganfall-Risiko von weniger als vier Prozent sollten als Therapie 50 bis 150 mg ASS erhalten, ab einem Risiko von vier Prozent und bestehender pAVK 75 mg Clopidogrel (Iscover®, Plavix®). Ab einem Risiko von vier Prozent wird 50 mg ASS plus 400 mg Dipyridamol (Aggrenox®) nun mit dem höchsten Evidenzgrad A empfohlen.

Der Grund: Sowohl die ESPRIT-Studie (European Australasien Stroke Prevention in Reversible Ischaemia Trail) als auch die vorangegangene ESPS-2-Studie (European Stroke Prevention Study 2) hatten im Vergleich zu Placebo eine absolute Risikoreduktion von etwa drei Prozent mit Kombinationstherapie versus 1,5 Prozent mit Monotherapie.

Zudem sollten Statine Bestandteil der Sekundärprophylaxe von Apoplexie-Patienten werden, fordern Experten. Basis dafür ist die SPARCL-Studie (Stroke Prevention by Aggressive Reduction of Cholesterol Levels): mit Atorvastatin (Sortis®) hatten 11 Prozent der Patienten ein Schlaganfall-Rezidiv, mit Placebo 13 Prozent - die Rate der betroffenen Patienten war also mit Atorvastatin signifikant um 16 Prozent niedriger.

Hypertoniker mit Apoplexie oder TIA profitieren vom Sartan, hat die Studie MOSES (Morbidity and Mortality after Stroke, Eprosartan Compared with Nitrendipine for Secondary Prevention) ergeben. Mit Eprosartan (als Emestar® und Teveten® auf dem Markt) gab es während 2,5 Jahren 25 Prozent weniger zerebrovaskuläre Ereignisse als mit Nitrendipin.

Auch mit Valsartan (als Diovan®, Provas® und Cordinate® auf dem Markt) war in der Jikei-Heart-Studie während eines Jahres die Schlaganfallrate im Vergleich zur Standardtherapie um 40 Prozent vermindert. Teilgenommen hatten Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen.

Patienten im Alter über 70 Jahre mit hohem kardiovaskulärem Risiko profitieren von Ramipril (Delix® protect), hat die HOPE-Studie (Heart Outcomes Prevention Evaluation) ergeben. Die Schlaganfallrate lag in fünf Jahren mit Ramipril bei über 5 Prozent im Vergleich zu knapp 8 Prozent mit Placebo. (cin)

STICHWORT

Der Essen-Risiko-Score

Das kardiovaskuläre Risiko nach einem Hirninfarkt lässt sich mit Hilfe des "Essen-Risiko-Score" abschätzen.

Hat ein Patient einen der folgenden Risikofaktoren, gibt es einen Punkt: Alter zwischen 65 bis 75 Jahre, Bluthochdruck, Diabetes, Infarkt, andere kardiovaskuläre Ereignisse (außer Infarkt und Vorhofflimmern), pAVK, Rauchen und frühere TIA oder früherer Insult. Für ein Alter über 75 gibt es zwei Punkte. Die ermittelten Punkte werden addiert.

Das jährliche Schlaganfall-Risiko beträgt:

- bei null Punkten ein Prozent,
- bei einem Punkt zwei Prozent,
- bei zwei Punkten drei Prozent,
- bei drei Punkten fünf Prozent,
- bei vier Punkten sechs Prozent,
- bei fünf Punkten sieben Prozent,
- bei sechs Punkten zehn Prozent.

Werte unter vier Prozent bedeuten ein niedriges Risiko, Werte von mehr als vier Prozent bedeuten hingegen ein hohes Risiko. (Rö)

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