Ärzte Zeitung, 03.07.2009

Antisense-Oligonukleotide künftig als innovative Lipidsenker

Mehrere Prinzipien zur LDL-Senkung werden derzeit getestet. Nicht viele sind bislang erfolgreich.

Derzeit beste Kandidaten für neue Lipidsenker sind nach Angaben von Professor Wilhelm Krone aus Köln zwei Antisense-Oligonukleotide. "Sie greifen in die Translation von Proteinen ein, sie blockieren die reife Messenger-RNA", sagte Krone. Er präsentierte zwei mögliche Therapeutika aus dieser Gruppe: Einer davon hemmt die Synthese von Apolipoprotein B 100, das seinerseits für die LDL-Synthese unerlässlich ist. Das Antisense-Oligonukleotid Apo B 100 hat in Studien die LDL-Werte um 40 Prozent gesenkt. Endpunktstudien stehen noch aus.

Ein anderes Antisense-Oligonukleotid richtet sich gegen das Protein PCSK9. Letztlich wird dadurch mehr LDL über die LDL-Rezeptoren der Leberzellen aufgenommen und verschwindet damit aus dem Blut. Zu diesem Prinzip gibt es bisher nur tierexperimentelle Daten - und die guten Erfahrungen mit Personen, deren PCSK9-Synthese durch eine Genmutation behindert wird. Sie haben ebenfalls einen um durchschnittlich 40 Prozent erniedrigten LDL-Spiegel dazu ein um sieben Achtel reduziertes KHK-Risiko, unabhängig von weiteren Risikofaktoren.

Weniger Erfolg versprechend seien bisher alle anderen neuen Prinzipien der Lipidsenkung, so Krone: "Hemmer des Mikrosomalen Triglycerid-Transfer-Proteins sind durch deutliche Leberwerterhöhungen und Leberverfettung limitiert." Ziel des Einsatzes von MTP-Hemmern ist, die Produktion von Lipoproteinen in Darm und Leber zu behindern. "LDL und Gesamtcholesterin sanken dadurch um die Hälfte", sagte Krone.

Von den Cholesterin-Absorptions-Hemmern gebe es drei Gruppen: die nicht-absorbierbaren, deren Entwicklung noch nicht sehr weit fortgeschritten sei; die ACAT-Hemmer, die die Rate kardiovaskulärer Ereignisse nicht vermindert haben und die Gallensäuren-Transporthemmer, zu denen es nur Ergebnisse bei Tieren gibt. Squalen-Synthase-Hemmer hemmen wie Statine die Cholesterinsynthese, nur an einer späteren Stelle der Kaskade: beim Übergang von Farnesyl zu Squalen. Der Squalen-Synthase-Hemmer wurde wegen Leberunverträglichkeit zurückgezogen. (sir)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Stärkung der Organspende – Sogar Grüne loben Spahn

Klare Verantwortlichkeiten, bessere Refinanzierung: Der Bundestag bewertet das geplante neue Organspende-Gesetz positiv. Doch die Grundsatzdebatte kommt erst noch. mehr »

Deutsche ernähren sich schlecht

Tödliche Infarkte und Schlaganfälle durch schlechte Ernährung: Deutschland nimmt hier unter den Ländern mit westlichem Lebensstil einen traurigen Spitzenplatz ein. mehr »

Fallwert steigt um 2,6 Prozent

Die Entwicklung der Arzthonorare tendiert in der GKV-Regelversorgung weiter nach oben – jedenfalls laut den jüngst verfügbaren Zahlen. mehr »