Ärzte Zeitung, 19.04.2004

Frühe Enoxaparin-Therapie bei akutem Koronarsyndrom!

Kardiologe plädiert für niedermolekulares Heparin

MANNHEIM (sko). Patienten mit akutem Koronarsyndrom sollten schon vom Notarzt mit Enoxaparin behandelt werden, meint Professor Franz-Xaver Kleber aus Berlin. Beim Kardiologenkongreß begründete der Kardiologe vom Unfallkrankenhaus Berlin diese Forderung mit den Ergebnissen der Synergy-Studie.

Synergy (Superior Yield of the New Strategy of Enoxaparin, Revascularization and Glycoprotein IIb/IIIa Inhibitors) sollte bestätigen, daß das niedermolekulare Heparin Enoxaparin (Clexane®) Hochrisikopatienten mit akutem Koronarsyndrom ebenso vor kardiovaskulären Ereignissen schützt wie unfraktioniertes Heparin (UFH).

Die Patienten erhielten die heute übliche Behandlung mit früher Koronarintervention und neuen Medikamenten wie Clopidogrel oder GP-IIb/IIIa-Rezeptorblocker. Unabhängig davon, ob sie zuvor mit Enoxaparin oder UFH behandelt worden waren, erhielten die Patienten entweder 1mg/kg Enoxaparin zweimal täglich subkutan (4993 Patienten) oder UFH als Dauerinfusion (4985 Patienten). Primärer Endpunkt war Tod oder Myokardinfarkt nach 30 Tagen.

Wie Professor Harald Darius vom Vivantes Klinikum in Berlin bei der von Aventis organisierten Veranstaltung berichtete, gab es mit 14 Prozent in der Enoxaparin-Gruppe und 14,5 Prozent bei den Patienten mit UFH keinen signifikanten Unterschied bezüglich des primären Endpunktes. Jedoch waren Blutungen mit 9,1 im Vergleich zu 7,6 Prozent bei Patienten, die Enoxaparin erhalten hatten, häufiger. "Hierbei handelte es sich aber hauptsächlich um Blutungen in der Leiste", so Darius.

Als Besonderheit wies er auf die Auswertung der 6138 Patienten hin, bei denen sich die Therapie durch die Randomisierung nicht änderte, die also konstant mit Enoxaparin oder UFH behandelt wurden. Hier sei der therapeutische Effekt durch Enoxaparin signifikant höher gewesen als durch UFH (Ereignisrate 13,3 Prozent versus 15,9 Prozent.) Allerdings seien auch Blutungen häufiger gewesen.

Zu diesem Punkt meinte Kleber: "Werden Patienten gefragt: Wollen sie lieber ein Hämatom in der Leiste oder einen weiteren Herzinfarkt haben?, dann werden sie sich sicher für das Hämatom entscheiden." Viel wichtiger sei die konstante Behandlung. "Wenn der Notarzt mit Heparin angefangen hat, ist es sinnvoll, im Katheterlabor auch mit Heparin weiter zumachen", sagte Kleber. Besser sei es aber, von vornherein die überlegenere Substanz - und das sei nach der jetzigen Datenlage besonders in der konservativen Therapie das Enoxaparin - zu geben.

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